Zeitung Heute : TEAMS WERDEN IMMER MULTINATIONALER: Mit neuem Paß zur Weltmeisterschaft

MARSEILLE .Die Teams bei der Fußball-Weltmeisterschaft werden immer multinationaler.Der Brasilianer Wagner Lopes spielt für Japan, sein Landsmann Jose Clayton für Tunesien, Luis Oliveira stürmt für Belgien.Der Kroate Ivica Vastic tritt für Österreich an, der Franzose David Régis, der Deutsche Thomas Dooley und der Südafrikaner Roy Wegerle sind für die USA am Ball, und der Niederländer Hans Vonk hütet das Tor für Südafrika.Um sich den Traum von der WM zu erfüllen, wechseln immer mehr Spieler die Fahne oder besinnen sich auf ihre Familienwurzeln, obwohl sie die Länder ihrer Vorfahren kaum kennen.

"Ich bin mehr Franzose als Amerikaner", sagte Régis vom Bundesliga-Absteiger Karlsruher SC, der am Montag gegen Deutschland sein drittes Länderspiel für die USA absolvierte.Der 29 Jahre alte Abwehrspieler erhielt erst im Mai die US-Staatsbürgerschaft.Coach Steve Sampson hatte den auf Martinique geborenen Regis im vergangenen Sommer angesprochen, nachdem er gehört hatte, daß dessen Frau Nikky Amerikanerin ist.

Der Marokkaner Moustafa El Hadji ist zwischen zwei Nationalitäten hin- und hergerissen.Er kam als Sechsjähriger mit seinen Eltern nach Frankreich, besitzt zwei Pässe und hätte auch für die "Equipe tricolore" spielen können.1993 entschied er sich jedoch 1993 für das Land seiner Eltern: "Ich fühle mich aber immer noch mehr als Franzose.Als ich 1993 nach Marokko zurückgekommen bin, habe ich mich wie ein Tourist gefühlt.Inzwischen beginne ich aber arabisch zu sprechen und sehe Marokko mit ganz anderen Augen."

Der Brasilianer Clayton, der vor dreieinhalb Jahren nach Tunesien kam und seit einem Monat für das nordafrikanische Land spielt, teilt bei der WM seine Sympathien: "50 Prozent gehören Brasilien, die anderen 50 Prozent sind für Tunesien." Der 24jährige wurde eingebürgert, nachdem der tunesische Star Hadi Ben Rekhisa im Januar 1997 an Herzversagen starb."Die Leute in Tunesien sehen mich wie einen der ihren an", meinte Clayton."Dennoch werde ich eines Taages in meine Heimat zurückkehren."

Verwandte sind ebenfalls hilfreich, um zu Länderspiel-Ruhm zu kommen.Der ehemalige Bundesliga-Profi und US-Kapitän Thomas Dooley wurde 1992 US-Bürger dank seines Vaters, obwohl der ein Jahr nach Dooleys Geburt die Familie in Deutschland verlassen hatte und in die USA zurückgekehrt war.Die Eltern von Hans Vonk emigrierten vor 25 Jahren aus Südafrika in die Niederlande.Als Südafrikas Trainer Philippe Troussier dringend einen Torhüter suchte, sprach er den 28 Jahre alten Profi vom SC Heerenveen an.Bevor Matt Elliott das erste Mal für Schottland spielte, hatte der gebürtige Engländer das Land seiner Großmutter nur einmal bei einem Schulausflug besucht.

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