Zeitung Heute : Telearbeit kommt nur langsam in Schwung

Telearbeit hat nicht nur Vorteile ­ sondern bi

Zwischenbilanz für Förderprogramm / Derzeit 150 000 Plätze in Deutschland hsh Die neue Technik ist da, jetzt muß sie nur noch genutzt werden ­ mit diesen Worten warb Telekom-Manager Detlef Garbe auf einem zweitägigen Zukunftsforum in Frankfurt am Main jetzt für die Telearbeit.Die Referenten auf dem "Treffpunkt Arbeit" wurden nicht müde, die 800 Teilnehmer aus der Wirtschaft zu einer Initialzündung für die Infogesellschaft aufzufordern.Allerdings wurde auch deutlich, daß Telearbeit oder virtuelle Unternehmen ohne zusätzliche Anstöße kaum einen Beitrag zur Überwindung der Massenarbeitslosigkeit leisten können. Ein halbes Jahr nach dem Start des Förderprogramms für die Telearbeit in kleinen und mittelständischen Unternehmen gab Telekom-Bereichsleiter Garbe eine Zwischenbilanz.Demnach wollen die rund 3 000 Bewerber für Fördermittel der Telekom und des Bundesforschungsministeriums etwa 4 500 Telearbeitsplätze schaffen.Dabei handelt es sich in zwei von drei Fällen um die Auslagerung von festen Arbeitsplätzen, in jedem dritten Fall aber um eine neue Stelle. Insgesamt gibt es nach Angaben Garbes in Deutschland derzeit 150 000 Arbeitsplätze, bei denen die Arbeit vom heimischen Computer aus erledigt und die Kommunikation über eine ISDN-Leitung oder mit einer Modemverbindung ins Telefonnetz gewährleistet wird.Aber ob die mutigen Schätzungen von bis zu zwei Millionen derartiger Arbeitsplätze bis zum Jahr 2000 Wirklichkeit werden, kann auch Garbe nicht sagen. "Die Verwirklichung der Ziele hängt auch von den Preisen ab", sagt der Manager ­ "vor allem aber von einer Änderung in der Unternehmenskultur." Statt der Ableistung einer bestimmten Arbeitszeit im Betrieb könne Telearbeit nur dann funktionieren, wenn die Erbringung von Leistungen statt der Zeit honoriert werde.Dann aber bringe Telearbeit allen Beteiligten Vorteile.Von mehr Selbstbestimmung und freier Zeiteinteilung ist ebenso die Rede wie von Kostenvorteilen für die Unternehmen, neuen Arbeitsplätzen und der Eingliederung von Behinderten.Zudem ermögliche die Datenautobahn eine Verringerung des Staus auf der realen Autobahn ­ durch weniger Pendlerverkehr. Auf dem Kongreß stellte André Reuter von der Unternehmensberatung eupronet das nur im elektronischen Netz existierende Unternehmen als eine Möglichkeit vor, finanzielle, fachliche oder räumliche Defizite zu überbrücken.In der Diskussion aber wurde deutlich, daß auch das "virtuelle Unternehmen" nicht ohne klassische Rechtsform auskommt und sich in manchen Fällen kaum von einer herkömmlichen Arbeitsgemeinschaft unterscheidet ­ von der elektronischen Kommunikation abgesehen.Und Reuter gab zu bedenken, "daß auch virtuelle Unternehmen reale Arbeit leisten müssen". Telearbeit hat nicht nur Vorteile ­ sondern birgt auch viele Risiken.So wird in den eigenen vier Wänden der Gesundheitsschutz oft vernachlässigt.Tips zur gesunden Telearbeit erhält man aus der Broschüre "Telearbeit ­ gesund gestaltet", die von der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin herausgegeben wird.Interessierte können das Heft kostenlos unter der Berliner Nummer 515 48-0 anfordern.

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