• Potsdamer Neueste Nachrichten
  • Bootshandel
  • Qiez
  • zweitehand
  • twotickets
  • Berliner Köpfe
  • wetterdienst berlin

Teppich-Avantgarde : Perser-Revolutionär aus Bochum

05.10.2012 00:00 Uhrvon
Jan Kath wollte nie in die Fußstapfen seiner Eltern treten. Doch es kam anders. Der 40-Jährige Bochumer zählt zu den bedeutendsten Teppich-Designern weltweit. Seine Entwürfe sind unverkennbar.Bilder
Jan Kath wollte nie in die Fußstapfen seiner Eltern treten. Doch es kam anders. Der 40-Jährige Bochumer zählt zu den bedeutendsten Teppich-Designern weltweit. Seine Entwürfe sind... - Foto: promo

Jan Kath hat den Perserteppich neu erfunden – er knüpft ihn aus alten Saris, bleicht alte Teppiche und färbt sie neu, lässt Verletzungen und Irritationen knoten, bedient sich aller möglichen Vorlagen, vom Thai-Tuch bis zum Foto. Qualität ist alles. Und dabei fängt der junge Designer erst an.

Er kommt gerade aus Asien zurück und ist wieder auf dem Sprung nach Riga, wo er zur Eröffnung des Art Museum Riga Brouse seine neusten Arbeiten zeigen kann. Dann reist er aber gleich nach Moskau weiter, um auch dort seine Werke zu präsentieren. Mit 20 russischen Architekten und Designern geht es schließlich noch nach Kathmandu. Und die Kunst reist immer mit. Seine Werke zieren die Wände des Museums und überzeugen – wie Kunstwerke eben. Aber Jan Kath reist nicht etwa mit und wegen Malerei rund um die Welt, sondern wegen seiner Teppiche.

Er hat dem klassischen Perser in den letzten Jahren international den entscheidenden Impuls gegeben, in dem er es verstand, Design, Innovation, Tradition und Knowhow auf eine neuartige Art und Weise zusammenzuführen.

Basis dieser Teppichrevolution ist seit 2007 eine 100 Jahre alte Werkhalle in Bochum, wo etwa 20 junge Mitarbeiter am Computer sitzen, die Logistik managen und neue Entwürfe in die Tat umsetzen. Wer ein Exemplar von Jan Kath gesehen hat, lernt das Wort Teppich neu zu buchstabieren.

Dabei ist er zu dieser Karriere gekommen wie die Jungfrau zum Kinde, wie er selbst bescheiden einräumt. Wenngleich das Thema Teppich durchaus in der Familie lag. Schon sein Großvater und sein Vater hatten mit Teppichen gehandelt und auch kleine Produktionen in Auftrag gegeben. Der Großvater arbeitete bei dem renommierten Teppichhaus Bursch am Alexanderplatz in Berlin und gründete den Laden nach dem Krieg in Bochum, wo dank der Montanindustrie und des Wirtschaftswunders ein großer Bedarf an schönen Dingen für die eigenen vier Wände bestand.

Der Vater Martin führte den Laden fort, der zur Institution über Bochum hinaus wurde. „Ich war es als Kind gewohnt, dass bei uns am Frühstückstisch Partner aus Persien, Ägypten und Afghanistan saßen. Ohne Geschäftspartner geht nichts in diesen Ländern. Es sind vertrauensvolle Beziehungen, die über Jahre aufgebaut werden und oft über Generationen halten. Unser Mann in Beirut ist der Sohn des libanesischen Lieferanten meines Großvaters. Diese Welt ist sehr klein, sehr international – eine Handvoll von Familien ist in dieser Branche unterwegs.“

Jan Kath wollte aber anfangs von diesem Geschäft gar nichts wissen. Er distanzierte sich von der Arbeit der Eltern, war in alternativen Kreisen unterwegs und reiste nach der Schule nach Indien. „Ich war eineinhalb Jahre in Indien und habe gute Erfahrungen gemacht. Einmal war ich natürlich in einem Ashram, habe aber auch Techno in Goa genossen. Doch irgendwann war mein Geld alle. Das war in Kathmandu, Anfang der 90er Jahre. Was nun?“, erzählt er mit einem Schmunzeln.

Die Frühstückszeiten mit Gästen aus aller Welt zahlten sich plötzlich aus. Er traf damals in Kathmandu einen deutschen Lieferanten seines Vaters, der in Nepal eine Teppichmanufaktur unterhielt und dort auch produzierte. „Er meckerte typisch deutsch über die Qualität und dass er alle zwei Wochen nach Kathmandu reisen müsse, um alles zu kontrollieren. Ich habe ihn dann überzeugen können, dass ich für ihn die Qualitätskontrolle übernehmen könnte“, erzählt Kath. Schließlich hatte er eine kaufmännische Lehre im Elternhaus absolviert. Kath ist hart im Nehmen. Er machte noch einmal einen Crashkurs bei seinem Vater, wichtig war es vor allem, die Technik zu verstehen, um in Nepal bestehen zu können.

Service

Leserdebatten

Alexanderplatz, Hertha, Mediaspree: Leserdebatten auf Tagesspiegel.de.

Diskutieren Sie mit!

Tagesspiegel-Partner

  • Wohnen in Berlin

    Gewerbe- oder Wohnimmobilien: Große Auswahl an Immobilien beim großen Immobilienportal.

Erleben sie mit tagesspiegel.de die ganz besonderen Veranstaltungen in Berlin und Umgebung. Hier können Sie sich Ihre Tickets zum Aktionspreis sichern.

Weitere Tickets...