Zeitung Heute : Terror im Blut

Auch der Neffe des Al-Qaida-Planers war an einem Attentat beteiligt – dem Bombenanschlag von 1993 auf das World Trade Center

Frank Jansen

Der in Pakistan festgenommene Khalid Scheich Mohammed war einer der „top lieutenants“ gleich hinter Osama bin Laden und seinem Stellvertreter Aiman al Sawahiri. Nach Erkenntnissen der Sicherheitsbehörden rekrutierte Mohammed Terroristen und war maßgeblich an der Planung von Anschlägen beteiligt, vor allem an Finanztransfers. Dies gilt auch für den Terrorangriff des 11. September. Mohammed sei der Drahtzieher gewesen, heißt es in US–Sicherheitskreisen. Er hielt Kontakt zur Hamburger Gruppe um die Selbstmordpiloten Mohammed Atta, Mawan Al Shehhi und Ziad Jarrah. Ende der Neunzigerjahre soll Mohammed mehrmals nach Deutschland gekommen sein.

Einer der engsten Vertrauten Mohammeds war Ramzi Binalshibh. Der Jemenit hatte von Hamburg aus die Anschläge des 11. September mitorganisiert. Im vergangenen September gaben Mohammed und Binalshibh in Pakistan dem arabischen Fernsehsender Al Dschasira ein Interview. Beide Terroristen bekannten sich in dem Gespräch zu den Anschlägen auf World Trade Center und Pentagon. Wenige Tage später überwältigten pakistanische Sicherheitskräfte Binalshibh in Karatschi. Mohammed entkam.

Der kleine, etwas dickliche Mann wurde 1964 oder 1965 in Kuwait geboren. Die Eltern stammen aus Pakistan. Khalid Scheich Mohammed driftete nicht als einziges Familienmitglied in den Terrorismus ab: Der Neffe Ramzi Ahmed Yussef beteiligte sich 1993 am ersten Anschlag auf das World Trade Center in New York. Bei der Explosion einer Autobombe in einer Garage unter den Zwillingstürmen kamen sechs Menschen ums Leben. Ob Mohammed an dem Attentat mitgewirkt hat, ist unklar. Gemeinsam mit dem Neffen plante Mohammed, den Papst im Januar 1995 bei seinem Besuch auf den Philippinen zu ermorden. Die Polizei konnte den Anschlag verhindern. Mohammed wollte auch amerikanische Passagiermaschinen auf der Route zwischen den Vereinigten Staaten und Südostasien sprengen, scheiterte aber erneut an der Aufmerksamkeit der Sicherheitsbehörden. Sie waren jedoch nicht in der Lage, seine Fluchten zu verhindern.

Kurz vor dem Anschlag auf Djerba telefonierte der Attentäter Nizar Naouar mit Mohammed. Dieser gab offenbar das Signal, nun zuzuschlagen. Auch mit den Anschlägen auf die US-Botschaften in Kenia und Tansania (1998), auf das US-Kriegsschiff „Cole“ vor der jemenitischen Küste (2000) und der Ermordung des US-Journalisten David Pearl in Pakistan (2002) wird Mohammed in Zusammenhang gebracht.

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