Zeitung Heute : Teure Lichtspiele

PETER KNAAK

Wenig Lichtblicke bei der Technik fürs PantoffelkinoVON PETER KNAAKAuf Messen, bei einer EDV-Schulung oder bei Popkonzerten hat man sie schon gesehen - Projektionssysteme, die ein Videobild auf große Leinwände werfen.Die kleinen Brüder dieser Profianlagen gibt es ab etwa 1000 Mark.Sie werden salopp Beamer genannt und treten an gegen die großen Bilder und den beeindruckenden Sound im Kino.Beamer wollen den wachsenden Zulauf der großen Kinos zugunsten des Pantoffelkinos kippen, doch die Rechnung geht nicht auf.Die Stiftung Warentest nahm exemplarisch ein teures Röhrenprojektionsgerät von Vidicron für 9000 Mark, einen hochwertigen 3-Panel-LCD-Projektor von Sharp für 7000 Mark, ein preiswertes 1-Panel-LCD-Gerät von Sony für 2000 Mark und einen rund 5500 Mark teuren Großbildfernseher von Thomson auf den Prüfstand.Lupenreine Qualität fand sie bei keinem. Knackpunkt Nummer 1 sind die Kosten.Die Fernsehleidenschaft mit einem Videoprojektor zu stillen ist teuer.Zum Preis des Beamers gesellen sich erhebliche Nebenkosten.Ohne Bildwand beispielsweise geht nichts.Die besseren und empfehlenswerten Reflex- oder gar Parabolwände kosten über 500 Mark.Damit nicht genug.Der Vidicron, ohnehin das teuerste Modell im Test, muß fest montiert und von diesem Platz aus auf die Leinwand justiert werden.Werden Leinwand oder Beamer anschließend bewegt, setzt es Farbsäume und Verzerrungen.Spätestens dann ist das Videovergnügen keines mehr.Weniger dramatisch geht es bei den Videoquellen zu.Sie sind zwar teuer, doch meist vorhanden.Videorekorder oder Abspielgeräte für Laserdiscs sind für die Fans des Heimkinos ohnehin eine Pflicht. Freiprojektionssysteme halten wenigstens in einem Punkt, was sie versprechen: Ein großes Bild wird auf die Projektionswand geworfen.Komplettiert man sie mit einer guten Surroundsoundanlage, kommt im Wohnzimmer durchaus etwas Kinoatmosphäre auf - falls es nicht zu hell ist.Das ist der zweite kritische Punkt der Projektionssysteme.Sie brauchen Dunkelheit wie im Kino, denn jedes Fremdlicht mindert den Kontrast.Der Lustgewinn beim Filmgucken wird außerdem erkauft durch den Verzicht auf das gewohnte Wohnzimmerambiente.Bildwand und der Beamer unter der Decke oder auf einem Podest sind eben nicht wohnlich, sondern nur funktional. Abgesehen von Bildgröße, und das ist der dritte große Kritikpunkt, kann die geprüfte Beamer-Klasse nicht mit einem Fernsehbild konkurrieren.Das ist heller, kontrastreicher und zeichnet feine Strukturen detaillierter als Beamer.Augenfällige Unterschiede gibt es jedoch auch zwischen den geprüften Modellen.Das war angesichts der Preisspanne nicht anders zu erwarten.Sharp und Vidicron boten im Testfeld noch die größte Helligkeit.Sie haben die besten Reserven gegen Fremdlicht.Fragt man jedoch nach dem Kontrast und der Auflösung, so gibt es nur einen deutlichen Spitzenreiter, das Röhrenprojektionssystem von Vidicron.Dieser Beamer taugt für die Wiedergabe von Videomaterial hoher Qualität, etwa S-VHS-Aufzeichnungen.Und er erzeugt von allen geprüften Projektionssystemen den größten Kontrast.Am schlechtesten schnitt im Triumvirat der Freiprojektionssysteme der kleine transportable Sony ab.Gemessen am Preis ist der Rückprojektionsfernseher von Thomson noch schlechter.Er fällt in fast allen Prüfpunkten gegenüber den anderen drei Geräten deutlich ab.Sein Manko ist die insgesamt schlechte Bildqualität. Allenfalls in der Auflösung kann er mit dem Vidicron mithalten.Auf der großen Mattscheibe scheint das Bild jedoch stärker zu flimmern als bei anderen (kleineren) 50-Hertz-Fernsehern, und Farbsäume "zieren" das Bild.Unangenehm ist auch der eingeschränkte Sichtwinkel.Nur wenn der Kopf des Betrachters auf Höhe der Bildmitte, also tiefer als im normalen Sofa ist, sieht er ein hell ausgeleuchtetes Bild. Stets hängt die erreichbare Qualität von der Bildwand ab, auf die das Bild projiziert wird.Mit diffus reflektierenden Bildwänden erzielen die geprüften Projektoren nur flaue Bilder.Dafür sieht man sie aber aus jedem Betrachtungswinkel.Reflex- oder gar Parabolwände bringen wesentlich hellere und brillantere Bilder, schränken den seitlichen Blickwinkel jedoch ein.Sie sind teurer, doch an der Bildwand für ein paar hundert Mark sollte man nicht sparen, wenn der Videoprojektor ein paar tausend kostet. Fazit: Videoprojektionssysteme setzen einen dunklen Raum voraus, benötigen eine Bildwand und sollten durch ein gutes Soundsystem ergänzt werden.Qualitativ am besten schnitt der Röhrenprojektor von Vidicron ab, doch der kostet 9000 Mark und muß durch einen Servicetechniker eingerichtet werden.Wer dies scheut, kommt mit dem 7000 Mark teuren Sharp fast ebenso gut weg.Der Sony ist mit 2000 Mark am billigsten und überdies transportabel.Der Großbildfernseher von Thomson (5500 Mark) entspricht der Vorstellung vom Heimkino am wenigsten. Der Autor ist Redakteur der Stiftung Warentest.Der Test ist in der jüngsten Ausgabe von "test" abgedruckt, die heute in den Handel kommt.

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