Zeitung Heute : Teures Multimedia

KURT SAGATZ

Firmen lassen sich elektronischen Auftritt einiges kostenVON KURT SAGATZ

Die Firmenseite im Internet ist mittlerweile ein Muß.Wer noch nicht mit Informationsmaterial im Netz der Netze ist, wird dies in diesem Jahr nachholen, heißt es einhellig unter den Experten.Der Widerspruch könnte somit kaum deutlicher ausfallen: Während nur ein Bruchteil der Deutschen im Internet surft, sind die Firmen nahezu zu 100 Prozent vertreten.Spötter scherzen bereits, daß es mehr Anbieter als Nutzer gibt.

Mit mehr Ernst wurde das Thema in dieser Woche in Leipzig auf dem 4.Deutschen Multimedia-Kongreß diskutiert.Denn der Auftritt im Internet kostet Geld, ebenso wie die Erstellung einer Multimedia-CD-ROM oder die Installation eines Informationsterminals.Ein Beispiel aus Teltow: Am südlichen Rand Berlins haben sich eine Reihe von Unternehmen im Techno Terrain Teltow zusammengefunden und wollen nun per Internet auf sich aufmerksam machen.Zum einen muß dazu ein Provider gefunden werden.Dies ist keine allzu große Hürde.Doch einfach eine Seite ins Netz zu stellen, bringt nichts.Wichtig ist eine ansprechende und informative Präsentation.Hier kommt die Firma Multimedia Point ins Spiel.Sie bespricht mit den Initiatoren von Techno Terrain das technisch Machbare, konzipiert die Seiten und erstellt einen Netzauftritt in der systemeigenen Sprache HTML.Kostenpunkt für 60 Seiten im Netz: 50.000 DM

Wer nun glaubt, die Präsentation des eigenen Unternehmens, multimedial aufbereitet, werde in der "Offline-Version" - also als CD-ROM - preiswerter, der irrt.Bei der Erstellung einer Silberscheibe kommen annähernd die gleichen Techniken zum Einsatz.So kostete es das Design-Zentrum Stuttgart rund 140.000 DM, eine optisch ansprechende CD-ROM produzieren zu lassen.Viel Geld kostet auch der eindrucksvolle Multimedia-Auftritt auf Messen.Die Firma Pioneer hatte für ihren Messestand auf der letzten Funkausstellung in Berlin 1995 die Firma Micro Media Arts beauftragt, eine multimediale Gesamtdarstellung der Autoradio-Produkte zu erstellen.Gewünscht wurde eine Verbindung von Information und Unterhaltung, natürlich sollte auf der CD-ROM auch der Katalog zu finden sein.Auf dem 1000 Quadratmeter großen Messestand wurden Kiosksysteme aufgestellt, animierte Videosequenzen im Großformat präsentiert, ein Multimedia-Spiel sollte Jung und Alt am Stand fesseln.Am Ende kostete das Projekt Pioneer nahezu 300.000 DM.

Obwohl die Digital-Werbung somit alles andere als billig ist, nimmt die Zahl der Großprojekte für Multimedia-Präsentationen zu.Die Fachzeitschrift "Screen Multimedia" fand unlängst in einer Erhebung heraus,daß sich der Anteil der Projekte mit einem Umfang von 100.000 bis 400.000 DM vergrößert.Mehr möchte allerdings niemand für den Digital-Auftritt zahlen."Bei 400.000 DM liegt eine magische Grenze", führte "Screen"-Chefredakteur Henry Steinhau auf dem Multimedia-Kongreß aus.

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