Zeitung Heute : "The Garage": 1,7 Millionen Dollar für den "Geburtsort" von Hewlett-Packard

Rita Neubauer

Daß Immobilienpreise in Kalifornien in den Himmel wachsen, ist inzwischen hinlänglich bekannt. Dennoch: 1,7 Millionen Dollar für eine Garage hinzublättern, könnte man selbst in Palo Alto als reichlich frivol bezeichnen. Doch genau dies wußte die Tageszeitung San Jose Mercury News am Wochenende auf ihrer Titelseite zu berichten. Wobei hinzugefügt werden muß, daß es sich dabei nicht um irgendeine Garage handelt, sondern um "The Garage". Und der Käufer ist nicht ein 25jähriger Multimillionär, der sein Vermögen mit Online-Hundefutter machte, sondern der weltweit operierende Hardwarehersteller Hewlett-Packard, der beinahe alles rund um den Computer herstellt.

Die Garage ist eine Art Sehenswürdigkeit im sehenswürdigkeitsarmen Palo Alto, ein "Stern auf der Landkarte der Sterne", wie ein Firmensprecher enthusiastisch verkündete. Wenn auch ein reichlich unscheinbarer. Denn die teure Immobilie auf der Adison Avenue wird leicht übersehen, wäre da nicht ein großer Felsbrocken mit einer Plakette am Eingang. Und wäre da nicht hin und wieder ein Trupp asiatischer Touristen, die mit Bewunderung auf ein beige gestrichenes Häuschen und dessen Anbau, eine beige gestrichene Garage, starren.

Es ist die Garage, die Geschichte machte. Sie beherbergte 1938 die Startup-Firma zweier Stanford-Studenten, William Hewlett und David Packard. Mit einem Startkapital von 538 Dollar legten diese dort den Grundstein für den weltweit operierenden Computerhersteller HP, der 62 Jahre später 86 000 Mitarbeiter beschäftigt und Umsätze von 42 Milliarden Dollar macht. Auch wenn sie den beiden auch nur für etwas mehr als ein Jahr als Werkstatt zum Bau des ersten Audio Oszillators diente, die 24 Quadratmeter große Garage gilt heute als Geburtsort von Silicon Valley.

Offiziell gibt es diese Region - das Silicon Valley - eigentlich gar nicht. Obwohl sie zwei Millionen Menschen beherbergt und als weltweit führendes High-Tech-Zentrum gilt. Auf einer Straßenkarte sucht man sie denn auch vergeblich. Selbst die Einwohner geraten in Streit, wo Silicon Valley eigentlich beginnt und wo es endet. Für die einen darf sich nur Santa Clara Valley am südlichen Zipfel der San Francisco Bay so nennen. Wieder andere zählen dazu einen Teil der Region, die sich von San Jose aus nördlich gen San Francisco erstreckt. Wieder andere würden am liebsten die gesamte Bay Area einschließen. Wie auch immer. Bei der Gründung von Hewlett-Packard war Silicon Valley ein ferner Traum, und wo heute Silizium-Halbleiter-Scheiben hergestellt werden, blühten früher die Obstbäume.

Die Garage scheint diese Evolution unbeschadet überstanden zu haben. Nach dem Schwingungserzeuger beherbergte sie Autos, Maschinen und "Gott weiß nicht, was alles", erinnert sich Herb Kelty, der die Garage in den 90er Jahren für 100 Dollar im Monat mietete. Inzwischen ist sie jedoch so legendär, dass Hewlett-Packard eine Kopie in einen Werbefilm packte und eine Ausstellung im Tech-Museum in San Jose schlicht "Die Garage" nannte. Selbst die HP-Chefin Carly Fiorina beschwor alte Zeiten, als sie versprach, daß die Firma zu den "Werten der Garage" zurückkehren werde - was auch immer das bedeutet.

Nur zwei Leute zeigten sich wenig gefühlsduselig. Hewlett und Packard bezeichneten die Garage, als sie 1989 unter Denkmalschutz gestellt wurde, als "wertlose Hütte".

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