Zeitung Heute : "The Microbus": Revival des Kultautos

Ingo von Dahlern

Wenn Volkswagen dieser Tage in Detroit ein Konzeptfahrzeug mit dem Namen Microbus präsentiert, dann hat das für die USA eine ganz besondere Bedeutung. Denn nicht nur der Käfer erreichte in der Neuen Welt als Beetle Kultstatus. Ebenso erging es jenseits des Atlantik auch dem ersten VW-Bus, der in den Staaten als "The Microbus" Karriere machte.

Kein Wunder also, dass Volkswagen mit dem Namen des neuen Konzeptfahrzeugs an diese alte Tradition erinnert. Aber es bleibt nicht beim Namen. Denn das in Detroit gezeigte Auto wurde nicht etwa in Wolfsburg sondern in den USA entwickelt - in den kalifornischen VW-Designstudios in Simi Valley, die bei der Gestaltung dieses Autos sehr gezielt auf den amerikanischen Markt blickten und zugleich darauf achteten, mehr als nur eine Kopie des alten Transporters auf die Räder zu stellen. So gibt es zwar das eine oder andere charakteristische Design-Zitat beim legendären Vorgänger. So etwa die in die breiten D-Säulen integrierten horizontalen Glasschlitze, die an die Lüftungsöffnungen erinnern, wie sie die Heckmotorwagen der ersten Generation hatten. Und auch die sehr eigenwillige Motorhaube erinnert in einigen Elementen an die Front der ersten Generation mit ihrem großen VW-Emblem.

Doch abgesehen davon ist der Microbus rundum eine Neukonstruktion mit eigenem Charakter und Auftritt. Das unterstreichen auch so moderne Gestaltungselemente wie die besonders schmalen Bi-Xenon-Scheinwerfer mit Klarglasoptik, die einen bewussten Kontrapunkt zu den Rundscheinwerfern der ersten Bus-Generation setzen. Ähnliches gilt auch für die sehr eigenständige Heckpartie, deren flache Rückleuchten formal eine Einheit mit den vorderen Scheinwerfern bilden. Auffallend beim Microbus sind die sehr kräftigen Radläufe, die Raum für neu entwickelte betont große Räder im 20-Zoll-Format bieten, die mit besonders breiten Reifen der Dimension 245/45 R20 bestückt sind.

Technische Basis für den Microbus ist die Bodengruppe der Nachfolgeneneration des aktuellen VW-Busses. So ist der Microbus selbstverständlich ein moderner Fronttriebler mit Frontmotor. Das ist im konkreten Fall ein 3,2-Liter-V6 mit einer Leistung von 170 kW (231 PS), der ein höchstes Drehmoment von 320 Nm liefert - eine Weiterentwicklung, die ebenso wie die Bodengruppe des Microbus noch nicht auf dem Markt ist.

Obwohl der Microbus speziell für die USA gestaltet wurde, lohnt ein genauerer Blick auf diese Studie. Denn sie zeigt insbesondere bei ihrer Innenraumgestaltung zahlreiche für den Van der näheren Zukunft interessante Lösungen, die man so oder ähnlich auch in künftigen europäischen Fahrzeugen finden wird. Es lohnt also, vor allem die elektrisch betätigten großen Schiebetüren zu öffnen und sich das Microbus-Interieur anzusehen. Gleich beim esten Blick fällt auf, wie hell der Innenraum dank der ins Dach integrierten Lichtflächen ist. Ungewöhnlich allerdings ist der Wagenboden aus halbtransparentem Material, der eine darunter liegende Aluminiumfläche durchschimmern lässt.

Sehr eigenwillig zeigen sich die Armaturen mit der asymmetrischen Schalttafel, die im Fahrerbereich etwas weiter vorne positioniert ist, um so das Raumgefühl zu optimieren. Beherrscht wird sie von einem kreisrunden großen Kombiinstrument mit Analog-Tacho und digitalen Zusatzinformationen. Als Joystick in die Schalttafel integriert ist der Schalthebel für die Fünfgang-Automatik mit Tiptronic-Funktion, der den Durchgang zwischen Fahrer- und Beifahrersitz nicht mehr behindert.

Die Microbus-Passagiere sitzen in drei Reihen, deren Sitze durchweg mit hellem Nappaleder bezogen sind. In der ersten und zweiten Reihe gibt es Einzelsitze, in der dritten eine Sitzbank mit zwei einzeln konturierten Sitzen. Die mittleren Einzelsitze können um 180 Grad gedreht werden. Ein Schienensystem erlaubt es, die Positionen der hinteren Sitzreihen nach Bedarf zu verändern. Alle Passagiere des Microbus werden durch Integralgurte gesichert, so dass die Anlenkpunkte völlig unabhängig von der Sitzposition stets optimal sind. Verstellt werden die Sitze mit Hilfe einer neu konzipierten elektrischen Sitzverstellung mit entsprechend neu gestalteter großer runder Schaltereinheit. Je nach dem Punkt, auf dem man die große runde Fläche antippt, fährt der Sitz nach oben oder unten, nach vorne oder zurück.

Als moderner Van ist der Microbus mit entsprechender Kommunikationstechnik ausgestattet. So gibt es 7-Zoll-Bildschirme im 16 : 9-Format sowohl in der Mittelkonsole als auch den Rücklehnen der ersten und zweiten Sitzreihe. Hinzu kommen zwei ausfahrbare Displays zwischen der zweiten und dritten Sitzreihe, die in der ersten Stufe als kleiner Konferenztisch dienen und erst in der zweiten als Display. Ein weiterer 7-Zoll-Bildschirm in Bereich des Innen-Rückspiegels dient in Verbindung mit einer so genannten Backeyecamera der Sicht nach hinten und ergänzt das Bild der beiden Außenspiegel.

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