Zeitung Heute : Theater am Koppenplatz

Die bilinguale Metropolitan School sucht eine feste Adresse in Mitte – der Bezirk sieht keinen Bedarf

Katja Gartz

Handina geht gerne in die Vorklasse, sie mag alle Fächer. Nur im Kirchgarten würde die Fünfjährige gerne häufiger spielen. Lässt es das Wetter zu, geht sie mit ihren Mitschülern durch zwei alte Hinterhöfe und den schummrigen Kirchgang des Backsteingemäuers an der Schönhauser Allee in Prenzlauer Berg. Der Garten der benachbarten Segenskirche ist der Pausenhof der internationalen Metropolitan School, die im August mit einer Vorschulklasse ihren Betrieb aufgenommen hat. Im Dezember kam eine weitere Klasse hinzu.

Für die Gründung der bilingualen Privatschule mit individueller Förderung hat sich eine Elterninitiative stark gemacht. Noch findet der Unterricht in gemieteten Räumen statt. Im neuen Schuljahr sollen die Schüler zweier erster und einer zweiten Klassen in einer richtigen Schule lernen – doch bis jetzt fehlt das Gebäude.

Am liebsten hätten die Eltern das Schulgebäude am Koppenplatz in Mitte. „Mit einem Innenhof ist es ideal für kleine Kinder, eine Turnhalle und sogar Tafeln sind vorhanden“, sagt Yvonne Wende von der Initiative für Bildungs- und Begabungsförderung Berlin Mitte. Doch das Schulgebäude steht nicht zur Verfügung: Seit 2000 nutzt das Theaterhaus Mitte die Räumlichkeiten als Proben- und Spielstätte. Mit Unterstützung der Bezirksverordneten hat das Theaterhaus nach acht Jahren am Koppenplatz sein festes Domizil gefunden. Der Vertrag mit dem Betreiber, dem Verein Förderband, würde nur gekündigt, wenn eine Schule das Gebäude zum ursprünglichen Zweck nutzen wollte. „Der gemeinsame Wille der Bezirksverordneten war, dass es eine öffentliche Schule sein sollte“, berichtet die Bildungs- und Kulturstadträtin Dagmar Hänisch (SPD). Vertraglich festgelegt sei dies jedoch nicht. „Derzeit wird das Schulgebäude mit öffentlichen Mitteln von etwa zwei Millionen Euro saniert.“

Laut Yvonne Wende sollten die Klassenzimmer wieder von Schülern genutzt werden, Theaterleute seien bei Räumlichkeiten flexibler. Da sie aber nicht gegen Kulturförderung ist, wäre sie an einer Kooperation interessiert. Doch die Kapazitäten des Theaterhauses seien bereits erschöpft. „Wir platzen aus allen Nähten“, sagt Sprecher Norbert Knofo-Kröcher. Nach Stadträtin Dagmar Hänisch (SPD) führen die Theaterleute weiterhin Regie am Koppenplatz. „SPD, Grüne und PDS nehmen den Wegzug junger Familien mit Kindern bewusst in Kauf, indem sie ihnen die notwendige schulische Infrastruktur verweigern und fügen damit der aufstrebenden Mitte Berlins nachhaltigen Schaden zu“, kommentiert Tamara Zieschang vom CDU Ortsvorstand Rosenthaler Platz die Entscheidung.

Bezirkschulfachbereichsleiter Jürgen Willuhn weist darauf hin, dass der Stadtteil Mitte Alt bereits ausreichend Schulen besitzt. „Wir müssen ein Schulnetz für Schüler aufrechterhalten, die nicht auf eine Privatschule gehen können“, sagt er. Willuhn befürchtet, dass sonst die „Regelschüler“ einen zu weiten Weg zurücklegen müssten.

Die Eltern der Schulinitiative sind enttäuscht von der mangelnden Kooperationsbereitschaft des Bezirks. Sie meinen, dass es in Mitte Alt sehr wohl einen Bedarf an Schulen mit anspruchsvollen Bildungsangeboten gibt. So kämen beispielsweise an der Evangelischen Grundschule 140 Anmeldungen auf 25 Plätze, ähnlich hoch ist der Andrang an der staatlichen deutsch-französichen Europaschule. Internationale Schulen gibt es bislang nur im Südwesten der Stadt.

Tagesspiegel - Debatten


Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben