Zeitung Heute : Theater um Kosten

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Finanzierungsprobleme des Festivals "Theater der Welt" 1999 in BerlinchtDie Finanzierung des internationalen Theaterfestivals "Theater der Welt", das vom 18.Juni bis 4.Juli 1999 in Berlin stattfinden soll, wackelt.Die Lottostiftung, die ursprünglich einen Kostenanteil von 3 Millionen Mark übernehmen sollte, hatte in ihrer letzten Sitzung vor den Ferien einen entsprechenden Antrag des Internationalen Theater-Instituts (ITI) abgelehnt.Gründe für die Ablehnung vermuten die Veranstalter darin, daß der Antrag nicht genügend substanzreich gewesen sei und daß man das Land Berlin nicht vollständig aus der politischen Verantwortung entlassen wolle.Exakte Angaben über die Eingeladenen und über genaue Kosten der einzelnen Inszenierungen ließen sich, so Schaubühnen-Direktor Jürgen Schitthelm, Vizepräsident des ITI, zwei Jahre vor Beginn des Festivals jedoch noch nicht machen - sonst seien die Inszenierungen zu Beginn des Festivals schon wieder veraltet. Das in dreijährigem Turnus stattfindende Festival war schon 1996 für Berlin vorgesehen gewesen, fand dann aber in Dresden statt, um auch in den neuen Bundesländern frühzeitig mit Theaterkultur präsent zu sein.Nach dem Finanzierungsmodell des Festivals tragen der Bund in Form der Kulturstiftung der Länder, das betroffene Bundesland und die Stadt, in der das Festival stattfindet, mit 1,5 Millionen Mark je ein Drittel der Kosten für das 5,3 Millionen Mark teure Festival, plus etwa 800 000 Mark, die als Sponsoren- und Eintrittseinnahmen erwartet werden.Für das als Stadt und Bundesland doppelt betroffene Berlin bedeutet dies Kosten von etwa 3 Millionen Mark.Obwohl Berlin an dem international renommierten Festival im Jahr 1999 sehr interessiert sei, besteht nach Meinung von Kerstin Schneider, Sprecherin des Kultursenators Radunski, keine Möglichkeit, die Kosten aus dem Kulturhaushalt zu finanzieren: "Der Kulturhaushalt ist völlig ausgelutscht".Stattdessen werde jetzt geplant, die Anträge zu splitten: Über eine Übernahme der Hälfte des Berliner Anteils werde der Lottobeirat im September erneut entscheiden.Die restlichen 1,5 Millionen Mark sollen aus dem Hauptstadtkulturfonds bezahlt werden.Sollten die Anträge im Herbst erneut abgewiesen werden, besteht nach Meinung von Jürgen Schitthelm keine Möglichkeit, das Festival in Berlin vernünftig zu planen und durchzuführen.Für eine Alternativlösung, die frühestens im Jahr 2000 steigen könnte, erkundigt sich der Vorstand des ITI schon nach Ausweichquartieren in anderen Städten.Eine zweijährige Planungszeit sei unbedingt erforderlich.Von der Berliner Entscheidung könne man sich nicht abhängig machen, erklärt "Theater der Welt"-Geschäftsführer Martin Röder-Zerndt. 

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