Zeitung Heute : Thomas Teufel: Die erste Maus mit eingebauter Mailbox

Kurt Sagatz

Hinter Thomas Teufel liegt eine aufregende Woche. In zweierlei Hinsicht. Einerseits wegen seines Vaters, Erwin Teufel, der am Sonntag in seinem Amt als Ministerpräsident von Baden-Württemberg bestätigt wurde. Andererseits, und das dürfte in diesem Fall schwerer wiegen, hat der 33-Jährige gerade seine erste CeBIT als Chief Executive Officer des Startup-Unternehmens comMouse AG hinter sich gebracht.

Jungunternehmer hat man auf dieser CeBIT nicht allzu viele gesehen. Das Börsenumfeld zum einen und die neue Sparsamkeit der New Economy zum anderen haben vielen Starstups den Messeauftritt verleidet. Für Thomas Teufel kam indes die CeBIT zur rechten Zeit, denn zeitgleich zur Messe kommt sein Hauptprodukt - die .comMouse, die in Anlehnung an die Internetwirtschaft Dot-Com-Mouse gesprochen wird - in den Handel. Sowohl Karstadt als auch die Metro-Gruppe haben das Produkt in ihr Warenangebot aufgenommen.

Die Dot-Com-Mouse will dabei nichts weniger sein als die erste intelligente Maus für kommunikative und wissbegierige Internet-Benutzer. Neben den üblichen zwei Tasten und dem kleinen Rädchen zum Webseiten-Scrollen verfügt das Gerät über ein kleines Display und eine mit einem @-Zeichen versehenen Sondertaste. Die Intelligenz der Maus verbirgt sich allerdings nicht allein im Gerät, sondern vor allem im Netz. Die Entwicklungsmannschaft von comMouse hat eine spezielle Informations-Suchmaschine entwickelt, die vorgegebene News-Angebote nach neuen Inhalten durchforstet. In der Praxis gibt der Besitzer der Dot-Com-Mouse sein Interessensprofil an den Internet-Agenten weiter. Wird nun beispielsweise in der "Süddeutschen Zeitung" oder bei "Net-Business" ein neues Stück zum Beispiel zu SAP ins Netzangebot eingepflegt, so registriert dies der Agent unverzüglich und schickt an die Com-Mouse eine entsprechende Nachricht, die sofort auf dem kleinen Display erscheint. Ein Druck auf die @-Taste der Maus führt direkt auf die Webseite mit dem SAP-Text. Zudem kann die Maus so konfiguriert werden, dass der Nutzer im Mausfenster über das Eintreffen bestimmter Mails informiert wird.

Für Thomas Teufel, der nach dem Umweg über den Zweiten Bildungsweg vom Elektromechaniker zur Wirtschaftsinformatik kam, ist die Mouse die ideale Symbiose seiner Interessen - der Verbindung zwischen Wirtschaft und Technologie. Vor allem die hinter der Maus stehende Agententechnologie kann auch für die Analyse und Verbesserung von Prozessketten in Unternehmen eingesetzt werden und dort den Workflow erleichtern. Vor allem das soll langfristig den Umsatz des Unternehmens sichern, denn die Technologie lässt sich noch vermarkten, wenn die Umsätze aus dem Verkauf der Mäuse längst in den Bilanzen festgeschrieben sind.

Wie weit sein Name ihm bei der Umsetzung seiner Ziele hilft, ist ein anderes Kapitel. Ein Riesenvorteil sei sicherlich, dass die Bekanntheit seines Vaters ihm die eine oder andere Tür für einen ersten Kontakt öffnet, sagt der jugendlich auftretende Vorstandschef. Andererseits stehe er aber wegen des Namens auch viel stärker unter Beobachtung, räumt Teufel ein, der sich selbst als klassischer Spätzünder bezeichnet. Als Sohn eines Ministerpräsidenten müsse man überdies viel stärker darauf achten, was man sagt. Von politischer Betätigung will Thomas Teufel im Moment allerdings nichts wissen. Jedenfalls nicht sofort, wie er auf Nachfrage einräumt. Denn ganz ausschließen will er eine spätere politische Betätigung nicht. Jedoch erst dann, wenn er mit seiner jetzigen Tätigkeit erfolgreich ist. Auch sein Privatleben steht unter diesem Vorbehalt. So wollen Thomas Teufel und seine Frau durchaus Kinder haben, aber nicht vor dem Börsengang. Wenn alles klappt, wird comMouse Ende des Jahres schwarze Zahlen schreiben und im nächsten Jahr börsenreif sein. So lange müssen die Dot-Com-Mäuse zum Spielen ausreichen.

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