Zeitung Heute : THRILLER

Day Night Day Night

Julian Hanich

Bis zum Ende erfahren wir keinen Namen. Auch über die Vergangenheit oder die ethnische Zugehörigkeit der jungen Frau dringt kaum etwas durch. Nur eines wissen wir: Diese knapp zwanzig Jahre alte Amerikanerin will sich in die Luft sprengen – und möglichst viele Menschen mit in den Tod reißen. Zwei Tage und zwei Nächte lang verfolgt der Film die Vorbereitungen: fragmentarisch, minimalistisch und mit faszinierendem Sog. Statt Motive für die Tat zu bieten, nützt die Regisseurin Julia Loktev die Selbstmordattentäter-Thematik für ein kluges Spiel mit der einfühlenden Verwicklung des Publikums. Wenn der Zuschauer am Ende mit der Attentäterin bangt und ihr vielleicht sogar Erfolg wünscht, ist die Identifikationsfalle zugeschnappt. Vor Augen geführt wird einem dabei die eigene Manipulierbarkeit. Außergewöhnlich. Julian Hanich

„Day Night Day Night“, USA 2006, 90 Min., R: Julia Loktev,

D: Luisa Williams, Josh Weinstein

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