Zeitung Heute : THRILLER

Der Räuber

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Wenn man ihn rennen sieht, beim Marathontraining, beim Sprint über die Zielgerade des Wiener Citylaufs, auf der Flucht nach drei Überfällen an nur einem Tag, mit Maske oder ungetarnt mit maskenhaftem Gesicht, dann denkt man: Dieser Bankräuber ist der Held unserer Tage schlechthin. Andreas Lust in Benjamin Heisenbergs „Räuber“ nach einer wahren Geschichte ist ein Jagender, ein Gejagter, ein Mann unter Druck, außer Atem, ein waidwundes Tier, das sich im Erdloch versteckt. Heisenberg („Schläfer“) schaut diesem Mann ohne Moral und (fast) ohne Eigenschaften konzentriert zu und umgibt ihn mit schreiend stillen, kühlen Bildern. Ein Täter-Film. Aber der seltene Fall einer Annäherung ohne wohlfeile Empathie. Man mag diesen Typen nicht, aber man begreift, warum er rennt, warum er zuschlägt. Erschreckend. Brillant präziser Psychokrimi. Christiane Peitz

„Der Räuber“, D/A 2010, 98 Min., R: Benjamin Heisenberg, D: Andreas Lust, Franziska Weisz

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