THRILLERJames Ellroy liest „Blut will fließen“ : Der amerikanische Albtraum

Noemi HahnemannD

„Plötzlich“ heißt das erste Wort von fast 800 atemlosen Seiten unter der Orts- und Zeitangabe „Los Angeles, 24.04.64“. Und selbst wenn es „Blut will fließen“ (aus dem Englischen von Stephen Tree, Ullstein, 24,90 €) – den Abschluss von James Ellroys „Underworld“-Trilogie – nicht eröffnen würde, müsste man seine Erzählkunst als eine einzige Ansammlung von Plötzlichkeiten betrachten. Jeder Satz geschrieben im berüchtigten Ellroy-Stakkato, in dem Nebensätze fast so etwas wie ein Verbrechen sind.

Mit der Genrebezeichnung Thriller ließen sich die Romane des 1948 in Los Angeles geborenen Schriftstellers noch nie fassen. Sie waren literarische Expeditionen in die Finsternisse eines Landes, das zwischen Gier, Gewalt und Sex besinnungslos dahinwankt. Es gibt guten Grund, in ihren Obessionen auch die Obsessionen ihres Autors zu erkennen, der zehn Jahre alt war, als seine Mutter von einem Sexualverbrecher ermordet wurde, aber unfähig blieb, darüber Trauer zu empfinden: Zu sehr hatte er sie gehasst. Aus diesem Trauma sind Bücher wie „L. A. Confidential“ oder „Black Dahlia“ entstanden.

Mit „Ein amerikanischer Thriller“ und „Ein amerikanischer Albtraum“ hat er seine persönlichen Erfahrungsräume aber so ins Historische und Universale ausgeweitet, wie es sonst nur Kollegen wie Don DeLillo versucht haben. „Blut will fließen“ knüpft an die Geschichtsschreibung der frühen sechziger Jahre an und führt ins Jahr 1968, in dem Richard Nixon seinen Wahlkampf um die Präsidentschaft führt – und das LAPD den Überfall auf einen Geldtransporter klären muss. Gibt es da etwa einen Zusammenhang? Noemi Hahnemann

Dussmann, Fr 29.1., 19 Uhr,

Eintritt frei

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