Zeitung Heute : Thüringen: "Die Gegend ist herrlich, herrlich, herrlich" - Goethe liebte den Thüringer Wald

Auskunft: Fremdenverkehrsverband Thüringer Wa

Im Thüringer Wald ist die Wandersaison eingeläutet worden. Die sommerliche Hitze liegt noch nicht auf den Bergen, aber nicht nur deswegen kann man sich in der Gegend eine Gänsehaut holen. Nicht die ungezählten Sagen von Geistern, Feen und Schätzen, sondern die deutsche Geschichte lassen Besucher zehn Jahre nach der Grenzöffnung manchmal erschauern. Eine Zeitreise in die Vergangenheit bietet der ehemalige Stasi-Bunker in Frauenwald.

Der 3600 Quadratmeter große Bau für die "Ausweichführungstelle der Bezirksverwaltung Suhl des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS)" zeigt kahle Betonwände und Versorgungsleitungen an der Decke. Die Temperatur liegt um acht Grad, und die Sonne ist hinter einem meterdickem Wall aus Beton und Erde verborgen. 15 Bunker hatte die Stasi in den DDR-Bezirken, nur die wenigsten sind geöffnet. Zwei Minuten Fußweg vom "Waldhotel Rennsteighöhe" befindet sich der Eingang in die Stasi-Unterwelt - heute eine Attraktion für Gäste.

Wer will, kann von Frauenwald aus auf dem 168 Kilometer langen Rennsteig entlangwandern. In den vergangenen Jahren wurde der beliebteste deutsche Wanderweg für mehrere Millionen Mark saniert und mit Wegweisern ausgestattet. Mehr als eine Million Wanderer werden jährlich auf dem Höhenweg gezählt. In Hörschel bei Eisenach fängt die Tour an. Im Hörselberg sah der Volksmund eine dunkle Heimstatt für den Germanengott Wotan, die geliebte Frau Holle und die Venus, der einst Tannhäuser in Liebe verfiel. Ein Abstecher zur Wartburg, der deutschesten aller Burgen, ist Pflicht.

Die Wartburg verdankt ihren Wiederaufbau auch dem Dichterfürsten Johann Wolfgang von Goethe, der sich bei seinem Landesherren immer wieder über den jammervollen Zustand des verfallenen Baus beklagte. Goethe liebte den Thüringer Wald. "Die Gegend ist herrlich, herrlich, herrlich ...", schrieb er nach einem Besuch in Ilmenau. Gleich am Stadtrand beginnt der Aufstieg zum 861 Meter hohen Kickelhahn, wo Goethe Wanderers Nachtlied "Über allen Gipfeln ist Ruh ..." an die Wand einer Forsthütte schrieb, die wieder rekonstruiert wurde. Wer den Aufstieg scheut: Seit dem vergangenen Sommer steht eine Kopie des Häuschens samt Gedicht vor dem Ilmenauer Bahnhof.

Ein Abzweig des Rennsteigs führt ins Uhrenzentrum Ruhla und nach Bad Liebenstein. Malerische Dörfer reihen sich bis Schmalkalden mit seiner denkmalgeschützten Fachwerk-Altstadt. Die Kirche St. Georg und vor allem die Wilhelmsburg, der alte Sommersitz hessischer Fürsten, sind Höhepunkte der Stadt, die dem Schmalkaldischen Bund der protestantischen Fürsten ihren Namen lieh.

Einen Abstecher von Schmalkalden entfernt liegt die ehemalige Residenz der Herzöge von Sachsen-Meiningen. Nach der Wende ist die Innenstadt von Meiningen wieder aufgeblüht und präsentiert die höchste Dichte von Cafés und Gaststätten in Südthüringen. Vielleicht sind ja die vielen Gäste und Schauspieler des Südthüringischen Staatstheaters dafür verantwortlich. Das Restaurant "Posthalterei" im Hotel "Sächsischer Hof" ist einst vom Feinschmeckerführer Michelin als eins der besten in Thüringen ausgezeichnet worden. Besonders romantisch lässt es sich im Hotel "Schloss Landsberg" speisen. Die neogotische Anlage wurde Ende des 19. Jahrhunderts von den Herzögen auf einem Berg am Stadtrand errichtet. Im Rittersaal sind die holzgetäfelten Wände noch mit Historien-Szenen geschmückt.

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