Zeitung Heute : Tiere verlassen die Welt leichter
30.10.2011 02:00 UhrMehr als 20 Millionen Haustiere gibt es in Deutschland. Nach ihrem Ableben werden viele von ihnen kostenpflichtig in der Tierkörperverwertung „beseitigt“, ihre Reste werden mitunter beim Autobahnbau oder der Herstellung von Tapetenkleister verwendet. Doch die Zahl der Haustierbesitzer wächst, die ihren Freund würdevoll auf einem Tierfriedhof bestatten lassen möchten.
Einer davon ist der „Tierhimmel“ in Teltow. Mehr als 3000 Tiere, vor allem Katzen, Hunde, Hasen, Hamster, Meerschweinchen, aber auch Geckos, Fische oder Ratten finden auf fast 10 000 gepflegten Quadratmetern ihre letzte Ruhestätte. Ralf Hendrichs hat das Tierbestattungszentrum 2003 nach fünfjährigem Genehmigungsmarathon eröffnet.
Seine „Komplettpakete“, bestehend aus Abholung, Aufbahrung und zweijähriger Liegezeit, sind ab 50 Euro zu haben. Der 59-jährige Rheinländer, grauer Anzug, schwarzer Mantel und Brillantring, der zugleich auch 2. Vorsitzender des Bundesverbandes der Tierbestatter ist, spricht mit sanfter Stimme.
Haben Tiere eine Seele?
Ich bin fest davon überzeugt, dass sie eine haben. Also, was maßen wir Menschen uns eigentlich an? In der Bibel steht geschrieben, dass Gott am siebten Tage Mensch und Tier erschaffen hat. Er hat nicht am sechsten Tag das Tier erschaffen und am siebten Tag den tollen Menschen, sondern er hat am gleichen Tag Mensch und Tier erschaffen. Ganz klar, haben Tiere eine Seele.
Unterscheidet sich ihr Tod vom Tod eines Menschen?
Ja. Wir erleben das oft hautnah, wenn wir den Tierbesitzer zum Tierarzt begleiten, weil ein Tier aus medizinischen Gründen eingeschläfert werden muss. Wenn man dann dabei ist und den Kopf des Tieres festhält, es streichelt, beruhigt und eine Hand aufs Pfötchen legt und das Tier schaut einen an – dann erlebt man eine ganz andere Welt. Ein Tier kann leichter von dieser Welt Abschied nehmen und zeigt uns das auch. Es sagt dann vielleicht „warte noch einen Moment“ und dann sagt es irgendwann, „jetzt bin ich soweit“. Wer das miterlebt, bekommt ein ganz anderes Verhältnis zu Lebewesen.
Wie sieht Ihr typischer „Kunde“ aus?
Man denkt da immer an alte Menschen, aber die Praxis zeigt, dass es ganz anders ist. Es fängt bei Kindern an, geht über Jugendliche, junge Erwachsene bis hin zu alten Menschen. Hinzu kommt die wachsende Zahl der Single-Haushalte, in denen Tiere sehr oft ein Partnerersatz sind. Das geht quer durch die Bank.
Ich erinnere mich an eine Bestattung von einem so genannten Kampfhund. Da kamen junge Leute auf unseren Tierfriedhof, die am ganzen Körper tätowiert waren, Leder-Outfits trugen und weitere Kampfhunde an der Leine dabei hatten. Da haben wir gedacht, was ist das denn jetzt?
Und diese wüst aussehenden Herren nahmen dann Abschied von ihrem aufgebahrten Tier und hatten sehr mit den Tränen zu kämpfen. Da merkt man dann schon die Innigkeit, die zu einem Tier aufgebaut wird. Es wird halt ein Familienmitglied.
Unterscheidet sich das Ritual von der Bestattung eines Menschen?
Kaum. Aber es gibt einige Besonderheiten. Wenn zum Beispiel türkische Kunden kommen, achten die sehr drauf, dass das Tier vom Grab her Richtung Osten ausgerichtet ist. Bei chinesischen Kunden ist das Prozedere ein ganz anderes. Da wird das Tier noch mehrere Tage zu Hause aufgebahrt, dem werden Früchte und Essbares beigelegt und dieses Zimmer darf man dann auch nicht betreten. Also es gibt sehr viele Dinge, auf die wir zu achten haben, je nach dem welcher Glaubensrichtung der Tierbesitzer angehört.








