Zeitung Heute : Tim ist glücklich

In einer Reihe mit Petzi, Tante Thea, Hansi Hase, Conny und Schnuffi: Als erster Fußballer überhaupt ist Nationalspieler Tim Borowski zum Titelhelden eines Pixi-Kinderbuchs geworden

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Wenn ein Fußballspieler einen gewissen Bekanntheitsgrad erreicht hat, wird zwangsläufig eine Biografie über ihn erscheinen. Vor der WM ist es Michael Ballack so ergangen, Oliver Kahn hat gleich selbst ein Buch über sich geschrieben. So weit ist Tim Borowski noch nicht, dafür ist dem Nationalspieler von Werder Bremen eine Ehre zuteil geworden, auf die seine Kollegen in der Nationalelf neidisch sein dürfen. Denn Tim Borowski steht seit kurzem in einer Reihe mit Stars wie Petzi, Tante Thea, Hansi Hase, Conny oder Schnuffi: Als erster Fußballer überhaupt ist er zum Titelhelden eines Pixi-Buches geworden.

Seit 52 Jahren erscheinen die kleinen Kinderbücher im Hamburger Carlsen-Verlag, immer im Format von zehn mal zehn Zentimetern, meist mit 24 Seiten. Nun heißt es in Folge 1417: „Tim Borowski – der Fußballprofi“.

Zum Preis von 95 Cent können die Leser im mit zahlreichen Fotos illustrierten Text der Autorin Simone Nettingsmeier erfahren, wie es so ist, das Leben als Berufskicker. „Einen Blick hinter die Kulissen“ des Fußballs wollte der Verlag den Kindern eröffnen, sagt die Lektorin Dörte Foede.

Borowski schien dafür ideal. Der Mittelfeldspieler hat lange in Werders Jugendinternat gelebt und bringt mit 1,94 Metern Körpergröße, blonden Haaren und einem breiten Lächeln beste Voraussetzungen mit, um von Kindern geliebt zu werden. „Tim Borowski war von der Idee sofort begeistert“, berichtet Foede. „Und ich glaube, er ist auch ein wenig stolz.“

Die Geschichte bewegt sich zwischen Trainingsplatz, Umkleidekabine und Stadion. Playstations und Sportwagen kommen ebenso wenig vor wie Abstecher in Nobeldiscos. Dafür werden andere Vorzüge des Fußballerlebens hervorgehoben: „Den schmutzigen Trainingsanzug muss Tim nicht selbst waschen. Alle Spieler geben ihre Sachen bei Zeugwart Uwe Behrens ab“, heißt es etwa. Und mit den Fußballschuhen ist es wie mit dem Turnbeutel in der Schule: „Damit Tim sie sofort erkennt, steht sein Name drauf.“

Dramaturgischer Höhepunkt ist ein Bundesligaspiel im Weserstadion. Der Name des Gegners wird nicht genannt. Doch Aufgeweckte erkennen an Wappen und Trikot sofort die Arminia aus Bielefeld, wie eine Stichprobe beim achtjährigen Sohn des Kollegen ergibt. Das Spiel selbst wird in Herberger’scher Knappheit auf den Punkt gebracht: „Nach dem Anpfiff geht das Spiel los. Beide Mannschaften wollen gewinnen und viele Tore schießen. Ein Freistoß bietet eine gute Torchance!“

Schlecht schlafen muss nach der Lektüre niemand. Denn das Buch schließt mit einem Happyend: „Fünf Tore haben die Spieler von Werder Bremen geschossen, die Spieler des Gegners nur zwei. Das war ein toller Tag. Tim ist glücklich.“ Steffen Hudemann

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