Zeitung Heute : Tippen, Telefonieren, Essen - alles zur gleichen Zeit

LUKAS ICKEROTT,KATHARINA MEIER<BR>

Telefone klingeln, Modems piepen, Drucker und Faxgeräte rattern, das Hämmern auf den Tastaturen ist unüberhörbar, Redakteure rennen wild gestikulierend durch die Gegend, gelegentlich ist Kaffeeschlürfen zu vernehmen.Hochsaison bei der Störstelle der Telekom? Weit gefehlt - ganz normaler Alltag in der Berlin / Brandenburg-Redaktion des Tagesspiegels.

Anfangs überraschte uns dieses Durcheinander, doch das Chaos hat System.Man stelle sich vor: gut 20 Computer, fast genauso viele Telefone, für im Schnitt 20 Redakteure und ein halbes Dutzend freie Mitarbeiter - klar, daß dort für Praktikanten nicht immer Zeit und Platz ist.So lernten wir auch die anderen Redaktionen, das Labor, die Druckerei, die Anzeigenabteilung und weitere (mehr oder weniger interessante) Bereiche des Tagesspiegels kennen.

Natürlich haben wir nicht nur anderen bei der Arbeit zugesehen, sondern uns auch selbst im Schreiben von Artikeln versucht.Nach drei Tagen der Frustration, ausgelöst durch Nichterscheinen unserer Machwerke, erschien am vierten Tag unsere erste Kurzmeldung.Hinzu kam ein Fotojob, bei dem wir als Versuchskaninchen Bio-Verpackungen essen mußten.Zur Information: es schmeckt scheußlich, obwohl wir so grinsen.Gar nicht zum Lachen fanden wir, daß eines Tages eine unserer mühselig erarbeiteten Meldungen scheinbar spurlos verschwand, die sich jedoch im digitalen Papierkorb wiederfand.Wir hatten viel Glück, etwas wiederzufinden ist hier nämlich nahezu unmöglich, da sich auf dem Arbeitsplatz eines Redakteurs im Normalfall unzählige Zettel, Bücher, Notizblöcke und Essensreste nur so türmen.Wer wie wir gedacht hat, daß alle Redakteure pünktlich um 8 Uhr auf der Matte stehen, sollte mal den Redaktionsalltag miterleben.Zwischen 10 und 10.30 Uhr trudeln alle ein, um kurz nach halb elf an der täglichen Konferenz teilzunehmen.

Danach herrscht eine Zeit des scheinbar ziellos Durch-die-Gegend-Wetzens, das sich aber genauso schnell wieder legt, wie es begonnen hat.Nun beginnt das Telefonieren, Recherchieren und Tastaturen-Massakrieren.Pausen kennen die meisten Lokalredakteure nicht, vielmehr wird während der Arbeit gegessen, was bisweilen etwas merkwürdig aussieht, wenn jemand probiert, gleichzeitig zu tippen, zu telefonieren und ein Sandwich zu verschlingen.

Wenn die Texte nicht pünktlich fertig werden, bricht die große Hektik aus.Gegen 18 Uhr treffen sich die Mitarbeiter zur allabendlichen Konferenz, auf der die Ausgabe noch einmal durchgesprochen wird.Danach gehen die meisten; einige bleiben freiwillig, um an ihren Artikeln weiter zu schreiben.Zurück bleibt der Spätdienst, der die Ausgabe bis spät in die Nacht aktualisiert.Insgesamt war vieles anders, als wir es erwartet hatten: Der Bierkasten, den wir unter einem Schreibtisch entdeckten und nicht zuletzt der Chef in Jeans.

Tagesspiegel - Debatten


Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben