TIPPS : Turboblüher contra Wintergrau

Rittersterne gibt es jetzt in aufregenden Farben und Formen

Heike Deissler
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Klassiker in der Winterzeit: der Ritterstern im traditionellen Rot. Foto: imago

Rittersterne, auch als Amaryllis bekannt, sind seit Jahrzehnten ein beliebter Zimmerschmuck in der Winterzeit. Ob im Topf oder als Schnittblume, der Blütenstar bringt tropisches Flair in trübe Wintertage. Neue Farben und Formen verhelfen dem Klassiker dabei immer wieder zu frischem Schwung: Neben dem traditionellen Rot zeigt sich der „moderne“ Ritterstern auch in Lachs, Pink, Orange, Grün oder gar Schwefelgelb. Ein-, zwei- oder mehrfarbig, breit gestreift oder zart liniert, gefüllt, gefranst oder gerüscht – über 600 Zuchtformen stellen Ritter sternfreunde vor die Qual der Wahl. Nachdem die Blüten lange nicht groß genug sein konnten, gibt es nun auch Rückzüchtungen, die dem Evergreen ein zierlich-filigranes Antlitz verleihen. Auch Mini-Rittersterne, die nur 20 Zentimeter hoch werden, sind im Handel.

Ritterstern und Amaryllis gehören beide zur Familie der Amaryllisgewächse (Amaryllidaceae). In der Anfangszeit der Botanik zählte der Ritterstern innerhalb dieser Familie zur Gattung Amaryllis. Diese ursprüngliche Bezeichnung hat sich in der Umgangssprache bis heute gehalten. Später wurde das Zwiebelgewächs jedoch der Gattung Hippeastrum (griech.: hippeos=Ritter, astron=Stern) zugeordnet. Der Name leitet sich womöglich von sternförmigen Ritterorden ab.

Die Gattung Hippeastrum umfasst rund 80 Arten, die Gattung Amaryllis dagegen nur eine: Amaryllis belladonna, die „echte“ Amaryllis. Sie stammt aus Südafrika, während die Rittersterne in Südamerika zu Hause sind. Dort besiedeln die Zwiebelblumen Steppen- und Waldgebiete mit ausgeprägten Trockenzeiten. Sie haben sich perfekt an ihre Umgebung angepasst: In der Trockenzeit schlummern die Zwiebeln und wirken wie tot, sobald es feuchter wird erwachen sie und zeigen, was in ihnen steckt. Dieses Verhalten ermöglicht es, bei der Zimmerkultur den Blühtermin zu steuern.

Man kann dem Ritterstern beim Wachsen förmlich zusehen. Kaum zu glauben, welches Potenzial in der unscheinbaren braunen Zwiebel steckt. Schon nach fünf bis acht Wochen öffnen sich auf 40 bis 70 Zentimeter langen, kräftigen Stielen die trichterförmigen Blüten. Bis zu sechs können es pro Stiel sein. Die großblumigen Sorten erreichen zwölf Zentimeter Durchmesser, die kleinblumigen sind dafür reichblühender. Nach dem Spektakel bitte nicht wegwerfen! Der Ritterstern ist nicht nur leicht zu pflegen, das Blühwunder wird sogar von Jahr zu Jahr schöner.

Achten Sie beim Kauf auf die Größe der Zwiebel: Mindestens 30 Zentimeter Umfang sollten es bei großblumigen Sorten sein, bei kleinblumigen 25 Zentimeter. Eine dickere Knolle verspricht mehr Blütenschäfte und üppigere Blüten. Zudem sollte schon ein Blütenansatz zu erkennen sein.

Zwiebeln, die durch eine Temperaturbehandlung für die Blüte zur Weihnachtszeit präpariert wurden, kommen bereits Anfang November, herkömmliche von Ende Dezember bis Anfang März in die Erde. Es empfiehlt sich ein standfester Topf, der nur etwas größer als die Zwiebel sein sollte. Bei Platzmangel blüht der Ritterstern besser. Hinein kommt eine Kiesschicht als Drainage, normale Blumenerde und dann die Zwiebel, aber nur zur Hälfte. Die obere Hälfte muss aus der Erde herausgucken. Gießen Sie nur leicht an. Jetzt heißt es abwarten und weiterhin nur sehr sparsam gießen. Bei zu viel Wasser kann es passieren, dass die Zwiebel zwar Blätter treibt, aber keine Blüten erscheinen. Alternativ kann die Zwiebel auch in einem mit Wasser gefüllten Glasgefäß zum Leben erweckt werden. Dabei sollten jedoch nur die Wurzeln, nicht die Zwiebel im Wasser stehen. Diese Art der Treiberei ist von Hyazinthen bekannt, funktioniert aber auch beim Ritterstern.

An einem hellen warmen Platz schiebt sich bald der Blütentrieb ans Licht. Erst wenn der Stiel etwa handhoch ist, bekommt die Pflanze nach und nach mehr Wasser. Die Zwiebel sollte dabei möglichst nicht benetzt werden. Drehen Sie den Topf hin und wieder, damit der Stiel schön gerade wächst. Nach einigen Wochen ist es so weit: Der Ritterstern öffnet seine Blüten. An einem nicht zu warmen Platz (unter 18 Grad Celsius) hält das Spektakel wochenlang an. Während der Blüte erhält die Pflanze wieder weniger Wasser. Verwelkte Blüten sollten entfernt werden, da die Samenbildung viel Kraft kostet. Die Stängel werden kurz oberhalb der Zwiebel abgeschnitten, aber erst wenn sie verwelkt sind. Nach der Blüte ist die Zwiebel geschrumpft. Sie hat gleichsam ihr Pulver verschossen und muss erst wieder Grundlagen für die neue Blühsaison aufbauen. Ritter sternzwiebeln, die auf Vasen gezogen wurden, werden jetzt in nährstoffreiche Erde gepflanzt. Die Pflanze bleibt nach der Blüte weiter am hellen Fenster. Ab Ende Mai kann sie auch nach draußen an ein halbschattiges Plätzchen umziehen. In der Wachstumsphase bildet der Ritterstern neben den unsichtbaren Blütenanlagen viele riemenförmige Blätter, aus denen er später Nährstoffe in der Zwiebel einlagert. Je mehr Blätter erscheinen, desto üppiger verspricht die nächste Blüte zu werden. Versorgen Sie die Pflanze daher im Frühjahr und Sommer regelmäßig mit Wasser und Dünger (ein Mal pro Woche). Die Erde sollte stets gleichmäßig feucht, aber nicht nass sein.

Ab August wird die Ruhephase eingeläutet: Der Ritterstern erhält nun keinen Dünger mehr, auch die Wassergaben werden nach und nach eingestellt. In den nächsten Wochen ziehen die Blätter allmählich ein. Sie werden jedoch erst abgeschnitten, wenn sie ganz vertrocknet sind. Rechtzeitig vor dem Frost kehrt der Ritterstern ins Haus zurück, wo er von Oktober bis Dezember in einer dunklen Ecke oder im Keller völlig in Ruhe gelassen wird. Die ideale Temperatur liegt bei 15 bis 18 Grad Celsius.

Ab Ende Dezember beginnt das Spiel dann von Neuem. Wer diesen Kreislauf von Blühen, Wachsen und Ruhen beherzigt, kann bei der Rittersternpflege eigentlich nichts mehr falsch machen und sich an immer prächtigeren Blüten freuen.

Pflege. Rittersterne enthalten giftige Alkaloide. Stiele für einen Strauß sollten erst „ausbluten“, da der giftige Schleim sonst den anderen Blumen im Gebinde den Garaus macht.

Stiele in Glasvasen sollten an den Enden mit Klebeband oder Draht umwickelt werden, da sie sich in der Vase oft spalten und aufrollen.

Sorten-Auswahl

Ambiance: weiß mit roten Streifen und grüner Mitte.

Picotee: schneeweiß mit zartem himbeerfarbenem Rand.

Lima: braun-rot mit grünen Akzenten, zierlich, spinnenförmig.

White Nymph: große, weiße Blüten, gefüllt

Limona: limettengrün mit rosa Hauch.

Pink Floyd: pink mit grüner Mitte, trompetenförmig.

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