Zeitung Heute : Tod nach 73 Sekunden

Warum im Jahr 1986 die Raumfähre Challenger abstürzte

Rainer During

Schon einmal erschütterten Fernsehbilder einer in Rauch und Flammen zerberstenden Raumfähre die Weltöffentlichkeit. Fast genau vor 17 Jahren, am 28. Januar 1986, war das Schwesterschiff der Columbia, die ein Jahr später fertig gestellte Challenger, kurz nach dem Start in Cape Kennedy explodiert und hatte ebenfalls sieben Astronauten in den Tod gerissen. Das damalige Unglück bedeutete einen empfindlichen Rückschlag für das US-Raumfahrtprogramm. Es führte zu einer erheblichen Verschärfung der Sicherheitsbestimmungen. Erst nach fast dreijähriger Pause wurden die Flüge fortgesetzt. Augenblicke nach dem Start war an der rechten der beiden Feststoffraketen eine Rauchwolke beobachtet worden. Nach einer knappen Minute waren erste Flammen zu erkennen. 73 Sekunden nach dem Abheben explodierte der riesige, mit rund zwei Millionen Litern Wasser- und Sauerstoff gefüllte Zusatztank. In dem Inferno starb die Besatzung, zu der auch damals zwei Frauen gehörten. Kommandant Francis R. Scoobee, Pilot Michael J. Smith, die Missions-Spezialisten Judith A. Resnick, Ellison S. Onizuka und Ronald E. McNair sowie die Nutzlast-Spezialisten Gregory B. Jarvis und Sharon Christa McAuliffe hatten keine Chance. An den Tod von Judith A. Resnick erinnern wollte der verrückte Pilot von Frankfurt, der sich vor einigen Wochen mit einem gekaperten Motorsegler in eines der Bankhochhäuser stürzen wollte.

Bei den Untersuchungen stellte sich heraus, dass durch einen defekten Dichtungsring in der rechten Feststoffrakete bei kalten Temperaturen, wie sie am Starttag herrschten, heiße Gase austreten konnten. Die Feststoffraketen verleihen dem Space Shuttle den für den Start notwendigen, zusätzlichen Schub. Eine Regierungskommission kam später zu dem Schluss, dass es sich um einen Konstruktionsfehler handelte. Wie sich obendrein herausstellte, hatten Mitarbeiter der Herstellerfirma zuvor auf das Problem hingewiesen und vor einem Start unterhalb einer bestimmten Temperaturgrenze gewarnt. Diese Bedenken waren jedoch wieder verworfen wurden und nie bis zu den NASA-Verantwortlichen gelangt. „Hätten die Entscheidungsträger von all den Fakten gewusst, ist es höchst unwahrscheinlich, dass sie sich für einen Start am 28. Januar entschieden hätten", heißt es in dem Bericht.

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