Zeitung Heute : Torwart Ladic spielt lieber Golf

BORDEAUX (sid).Die Geister, die sie riefen, werden die Rumänen kaum noch los: Vor dem Achtelfinale gegen Kroatien heute (16.30 Uhr/live in der ARD) in Bordeaux wollen die "Goldköpfchen" um den Kölner Dorinel Munteanu nichts mehr von blondierten Haaren wissen.Doch das von ihnen vor der Partie gegen Tunesien aus Jux benutzte Färbemittel erweist sich als etwas zu kräftig.Also bleibt vor dem "Spiel der Spiele" nur noch die Radikalkur: Elf kahle Köpfe, Haare ab.

Sportlich haben die Rumänen weitaus weniger Probleme.Nach dem gründlich mißratenen Versuch, im letzten Vorrundenspiel die Tunesier mit der zweiten Garnitur zu bezwingen (1:1), wird Trainer Anghel Iordanescu jetzt wieder auf seine "A-Mannschaft" zurückgreifen.Iulian Filipescu kehrt wieder in die erste Elf zurück, nachdem er seine Gelbsperre "abgesessen" hat.Auch Gheorge Popescu, Adrian Ilie und Viorel Moldovan, die gegen die Tunesier in der zweiten Halbzeit zumindest eine Niederlage verhinderten, sind wieder von Anfang an dabei.

Vor ihrem Gegner haben die Rumänen zwar gebührenden Respekt, aber keine umwerfende Angst."Die Kroaten verfügen über eine technisch hervorragende Mannschaft, die aber keineswegs unschlagbar ist", erklärt "General" Iordanescu, der seinen Schädel schon vor dem Spiel gegen die Tunesier kahlgeschoren hat."Wir müssen uns vor niemandem verstecken", weiß Munteanu, der die Partie nutzen will, um sich für einen neuen Arbeitgeber - und zwar möglichst in der Bundesliga - zu empfehlen.

Die Kroaten, die auf ihren gelb-gesperrten Stuttgarter Abwehrchef Zwonimir Soldo verzichten müssen, geben sich vor dem ersten WM-Achtelfinale ihrer Geschichte betont selbstbewußt."Wenn wir Rumänien schlagen, haben wir gute Chancen, den Titel zu gewinnen", tönt Trainer Miroslav Blazevic.

Berauscht vom Einzug ins Achtelfinale erklärte selbst Kroatiens Staatsoberhaupt Franjo Tudjman die Partie gegen Rumänien zu einer Mission für das Vaterland.Der Politiker stellte via TV eine Erfolgsprämie der besonderen Art in Aussicht."Wenn ihr gewinnt, komme ich nach Frankreich", versprach der Politiker, der seine "Untertanen" im Falle eines Sieges bereits im Endspiel wähnt: "Dann bleibe ich bis zum Finale."

Obwohl auch Trainer Blazevic davon überzeugt ist, daß seine Mannschaft die bessere ist und schon nach 90 Minuten gewinnen wird ("Wir haben noch nicht unser wahres Gesicht gezeigt und werden konzentrierter und besser motiviert sein als gegen Argentinien"), hat der Trainer sogar schon seine fünf Schützen für ein mögliches Elfmeterschießen benannt.Im Falle des Falles sollen Robert Prosinecki, Davor Suker, Aljosa Asanovic, Zwonimir Boban und Robert Jarni Kroatien das Weiterkommen garantieren.

Trainiert haben sie das Elfmeterschießen aber nicht extra."Darauf ist keine Mannschaft spezialisiert", behauptet der Trainer."Aber wir haben in Drazen Ladic den bestmöglichen Torwart dafür." Zumindest der hat in den letzten Tagen einige Sonderschichten absolviert - allerdings fachfremd: Der Schlußmann von Meister Croatia Zagreb hat sich einen kompletten Satz Golfschläger gekauft und jede freie Minute auf den Golfplätzen rund um das Trainingsqartier in den Vogesen verbracht.

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