Zeitung Heute : TOUR DE FRANCE IM SCHATTEN DES DOPING-SKANDALS: Zabel fährt knapp am Gelben Trikot vorbei

DUBLIN (sid).Erik Zabel hat auf der ersten Etappe knapp den Tagessieg verfehlt und als Zweiter hinter dem Belgier Tom Steels knapp den Sprung an die Spitze des Gesamtklassements verpaßt.Doch die sportlichen Aspekte der 85.Tour de France standen am ersten Wochenende der Frankreich-Rundfahrt im Schatten der Doping-Affäre um die französische Festina-Mannschaft, deren Kapitän Richerad Virenque zu den aussichtsreichsten Herausforderern von Tour-Sieger Jan Ullrich zählt.

"Für mich ist eine Welt zusammengebrochen", sagte Virenque.Ein Festina-Mannschaftsbetreuer war am Donnerstag beim Grenzübertritt mit 400 Anabolika-Ampullen erwischt worden.Bei ersten Verhören gestand der 53jährige Belgier, die bei ihm gefundenen verbotenen Präparaten seien zum Eigenbedarf und zum Verkauf in Fitnesstudios gedacht gewesen.Bei der Aufklärung der Angelegenheit verstricken sich die Beteiligten in Widersprüche.Die Tour-Leitung aber sah bisher keinen Grund, Sanktionen gegen Festina einzuleiten.

Die Verantwortung liegt jetzt bei den ermittelnden französischen Behörden, die am Wochenende auch eine Festina-Niederlassung in Lyon durchsuchten und dabei nach Pariser Presseberichten fündig geworden sein sollen.Die französische Polizei wird am Dienstag morgen bei der Landung des Tour-Trosses in der Bretagne am Quai von Roscoff stehen.Sie will dann Festina-Teamleiter Bruno Roussel einvernehmen.

Toursieger Jan Ullrich verlebte gestern einen ruhigen Nachmittag und rollte im hinteren Feld zeitgleich mit Tagessieger Steels ins Ziel."Wir können mit dem ersten Wochenende zufrieden sein.Wie immer ging es in der ersten Etappe sehr hektisch zu, und zum Glück sind alle heil geblieben.Das waren heute bei Regen und Wind sehr schwierige Bedingungen", sagte Ullrich.

Für Zabel hätte es dank 20 Sekunden Bonifikation als möglicher Sieger im Ziel und weiteren vier Sekunden Zeitgutschrift, die der zweifache Mailand-San Remo-Gewinner unterwegs gesammelt hatte, für das Gelbe Trikot reichen können.Doch Stunden-Weltrekordler Chris Boardman (Großbritannien) behielt noch einmal die Oberhand.Im Vorjahr war Zabel vier Sekunden am Gelben Trikot vorbeigefahren.Vor der heute zu absolvierenden zweiten Etappe trennen ihn acht Sekunden von der Spitze.

Sprint-Star Zabel hat bei dieser Tour sein drittes Grünes Trikot in Folge im Visier."Es war schwierig, heute den richtigen Moment für den Zielspurt zu erwischen.Wahrscheinlich bin ich zu früh angetreten, aber sonst wäre ein Sturz für mich wahrscheinlich unvermeidbar gewesen, weil vor mir ein Fahrer bei Tempo 70 aus den Pedalen gerutscht war", erklärte der 28jährige Deutsche Meister.Etappensieger Tom Steels war im vergangenen Jahr in Marennes nach einer chaotischen Etappe disqualifiziert worden und mußte weinend nach Hause fahren.Der damalige Sieger Erik Zabel war wegen Behinderung zurückgestuft worden."Ich freue mich für Tom, denn das Urteil im Vorjahr war nicht gerecht", sagte Zabel.

Der italienische Sprintstar Mario Cipollini, der bei vielen Experten als erster Kandidat auf den Etappensieg in Dublin gegolten hatte, stürzte sieben Kilometer vor dem Ziel und hatte mit dem Ausgang des Rennens nichts zu tun.Noch im Vorjahr hatte er auf dem ersten Abschnitt mit einem Sieg Boardman das Gelbe Trikot entrissen und anschließend auch die zweite Etappe gewonnen.Cipollini nahm die Sache gelassen: "Ich komme noch."

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