Zeitung Heute : Tourismus: Klima- und Zeitzonenwechsel inbegriffen

Nike Weiss

"Früher gab es die Assoziation, Stewardessen müssten vor allem hübsch, jung und schlank sein. Aber je mehr Wert die Airline auf Sicherheit legt, desto mehr geht es um Kompetenz und nicht um Aussehen", erklärt Manon Lawin. Sie ist Stewardess bei Lufthansa Cityline und möchte das Image ihres Berufsstandes zurechtrücken. Natürlich lernen angehende Stewards in der etwa neunwöchigen Ausbildung, dass eine Rasur vor dem Flug bei den Gästen gut ankommt, und Stewardessen in spe bekommen vermittelt, wie sie mit einem vorteilhaften Make-up ihren Typ betonen. Darüber hinaus lernen die Airliner auch, sich auch auf fremdem Terrain zu benehmen - ein Auslandsknigge-Kurs gehört zur Ausbildung: "Ein Flugbegleiter ist jeden Tag Ausländer. Man lebt immer international und wird einfach weltoffen", sagt Sven Führmann aus Frankfurt am Main, der ausschließlich Langstrecke fliegt. Seine Lieblingsdestinationen: Buenos Aires, Los Angeles, San Francisco.

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Die Tagesspiegel-Beilage zur ITB

Flugbegleiter fliegen kontinental oder interkontinental. Während der eine heute von Hamburg nach Zürich fliegt, danach in Turin landet und die Nacht dort verbringt, stehen bei dem anderen ein Flug nach Rio de Janeiro mit zweitägigem Aufenthalt auf dem Dienstplan - mit anschließendem Flug nach Sao Paolo und zurück. Danach hat man fünf Tage frei. Laut den Bestimmungen des Luftfahrtbundesamtes muss nach spätestens 14 Stunden an Bord eine Ruhezeit eingelegt werden. Die Realität sieht etwas anders aus, denn wie sonst sollte beispielsweise ein - womöglich auch noch verspäteter - Flug von Frankfurt nach Buenos Aires möglich sein? "Natürlich bin ich nach einem so langen Flug völlig k.o.", sagt Führmann und ergänzt: "Dafür liege ich aber auch regelmäßig im Winter am Strand oder am Hotelpool in der Sonne." Obwohl: In den Stunden vor dem Abflug dürfen die Flugbegleiter nicht übermäßig lange sonnenbaden, keinen Alkohol trinken und nicht tauchen. "Die Arbeit an Bord ist unglaublich anstrengend, die körperliche Belastung vier Mal so hoch wie am Boden. Mit Sonnenstich und Kater ist das nicht zu machen", erklärt Manon Lawin.

Früher, als noch nicht so viel Service an Bord geboten wurde, konnte man als Flugbegleiter eher schon mal eine ruhige Kugel zwischen Start und Landung schieben. Heute aber, wo die Fluggesellschaften mit Sekt und Süßigkeiten um die Kunden buhlen, haben die Stewards und Stewardessen alle Hände voll zu tun. "Bei kurzen Strecken wie die 35 Minuten von Frankfurt nach Basel ist die Zeit für den Service extrem kurz. Wenn ich den letzten Kaffee ausgeschenkt habe, setzen wir zur Landung an", erklärt Lawin.

Der Arbeitstag der Stewardess und gelernten Hotelfachfrau beginnt, wenn andere aus der Disko kommen. Um 3 Uhr 30 morgens aufzustehen ist keine Seltenheit. "Von da an läuft alles nach Uhr. Ich ziehe meine Uniform an, fahre zum Flughafen und treffe mich dort eine Stunde vor Abflug mit der Crew." Interkontinentale Langstreckenflüge allerdings starten oft später: Japan beispielsweise wird von Lufthansa mittags angeflogen, nach Bangkok geht ein Nachtflug.

In den Briefing Rooms der Flight Operation Center treffen sich der Kapitän, ein bis zwei Co-Piloten und die Kabine, in einem Jumbo beispielsweise 16 Flugbegleiter. "Man hat alle paar Tage mit anderen Leuten zu tun. Selbst wenn man jahrelang in der Firma arbeitet, sieht man immer wieder neue Gesichter", so Lawin. Vor dem Flug gibt es Infos zum Wetter und "Inflight Information": Wie viele Passagiere fliegen mit? Gibt es ein Preboarding, beispielsweise von Prominenten? Ist eine Armlehne oder eine Kaffeemaschine nicht mehr rechtzeitig repariert worden? Bringt jemand ein Tier oder diplomatisches Gepäck mit an Bord? Außerdem werden die Probleme der vergangenen Flüge besprochen.

Dann bringt der Bus die Crew zur Maschine. Dort überprüfen die Stewards und Stewardessen ihren Bereich. Die Beladung - Sicherheitsausrüstung und Lebensmittel - wird gecheckt. Die Flugbegleiter gehen sicherheitsrelevante Fragen für sich durch: Auf welchem Flugzeugmuster bin ich? Wo sind die Notausgänge und an welchem sitze ich? Wie werden die Ausgänge geöffnet? Wenn alles in Ordnung ist, beginnt die Vorbereitung: Kaffee wird gebrüht, Milch, Zucker, Wasser und Orangensaft werden bereit gestellt und Zeitungen ausgelegt.

Dann kommen die Passagiere, die von den Flugbegleitern begrüßt werden. "Wenn jemand zu großes Handgepäck hat, ist das eine Verletzungsgefahr, die viele Leute überhaupt nicht sehen. Wir verstauen das dann oder geben es an den Laderaum." Die Stewards überprüfen außerdem, ob die Passagiere angeschnallt und Tische und Rückenlehnen hochgestellt sind. Bei Flügen übers Wasser müssen die Schwimmwesten erklärt werden, beim Flug übers Gebirge die Sauerstoffmasken. Um im Notfall schnell reagieren zu können, erhalten die Flugbegleiter ein Mal im Jahr einen Auffrischungskurs für die Kommandos. "Man muss mit seinem Werkzeug vertraut sein: Feuerlöscher, Erste-Hilfe-Kasten, gegebenenfalls eine Notrutsche, von der aus Rettungsboote abgetrennt werden können", so Lawin.

Auf den Langstrecken halten die Flugbegleiter zwischen den Mahlzeiten Getränke bereit. Oft kommen Gäste in die Küche, um sich zu unterhalten. "Die fragen viel nach dem Angebot an Bord, aber auch über die Fluggesellschaft oder über unsere Arbeit. Schließlich wollen die Gäste auf dem langen Flug auch mal reden", so Führmann. In der First Class hat er schon Hons (von Honoraries) wie Steffi Graf, Reinhold Beckmann und sogar Michael Jackson bedient.

Das Arbeiten über den Wolken eignet sich auch für Sozialstudien: "Es ist immer interessant zu beobachten, wie sich Leute auf engem Raum benehmen", sagt Lawin. "Immer nur am Boden zu sein, das kann ich mir gar nicht mehr vorstellen. Fliegen ist etwas ganz anderes als ein Bürojob. Man ist nicht so eingebunden in eine feste Struktur". Ein echtes Plus für Globetrotter sind die verbilligten Flugtickets - vielleicht einer der Gründe, warum Stewardess in einer Allensbach-Umfrage immer noch als Traumberuf gilt.

Die Flugbegleitung ist ein Beruf für Leute, die keine Schwierigkeiten mit der Anpassung an sich ständig ändernde äußere Umstände haben. Klima- und Zeitzonenwechsel setzen körperliche Fitness und Belastbarkeit voraus. Platz- und Flugangst sind naturgemäß fehl am Platz. Zusätzlich müssen Stewardessen sich je nach Einsatzgebiet impfen lassen und Malariaprophylaxe nehmen. Als Flugbegleiter kann man auch Teilzeit arbeiten. Außerdem ist die Flugbegleitung ein guter Quereinstieg in die Tourismusbranche. Für deutschsprachiges Flugpersonal kommen unter anderem die Gesellschaften Lufthansa, Lufthansa Cityline, die Deutsche BA, Lauda Air, Condor und LTU als Arbeitgeber in Frage.

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