Zeitung Heute : Touristikmesse

Die aktuelle Krise der Reisebranche wird in diesem Jahr auch die Internationale Tourismus-Börse (ITB) bestimmen. Mit bislang 9000 Anmeldungen aus 180 Ländern und Regionen liegt die Teilnehmerzahl deutlich unter dem Niveau des Vorjahres. 2001 konnte der Branchentreff weit mehr als 10 000 Aussteller nach Berlin ziehen. Die ITB Mitte März (16. bis 20. März) werde dennoch weltweit führende Touristikmesse bleiben und positive Signale für die Branche setzen, sagte Messe-Chef Christian Göke jetzt vor Journalis-ten in Frankfurt am Main.

Der Bundesverband der Deutschen Touristikwirtschaft (BTW) führte die schwache Nachfrage nach Reisen vor allem auf eine allgemein gesunkene Konsumbereitschaft zurück. Es gebe aber Anzeichen für eine Belebung. Mit einer Konsolidierung sei erst in diesem Herbst, spätestens jedoch 2003 zu rechnen, sagte BTW-Generalsekretär Christian Ehlers aus Anlass der ITB-Präsentation. Vor allem unmittelbar nach den Anschlägen in den USA am 11. September hatte die Reisebranche weltweit mit kräftigen Buchungsrückgängen zu kämpfen.

Die Reiseangst sei jedoch auch ein Zeichen für eine allgemeine Konsumangst in Zeiten wirtschaftlicher Verunsicherung, sagte Ehlers. Er sprach von einem "gefährlichen Gemisch aus Flugangst, Arbeitsplatzrisiko und einer allgemeinen Unsicherheit im Wahljahr". "Es gibt aber keinen Grund zur Panik in der Reisebranche", betonte Ehlers. Mit der ITB bestehe die Chance, wieder mehr Optimismus zu verbreiten.

Dennoch spiegelt die ITB die aktuellen Probleme der Reisebranche wider. Von den großen Konzernen ist lediglich Weltmarktführer Preussag präsent, allerdings mit einem deutlich verkleinerten Stand. Die Konkurrenz mit Thomas Cook, Rewe Touristik sowie auch der deutschen Tochter FTI des britischen Airtours-Konzerns bleibt der ITB fern. Auch die Lufthansa ist erstmals nicht vertreten. Hauptgrund sind die Sparprogramme infolge der Einbußen nach den Anschlägen in den USA.

Dennoch demonstrierten die ITB-Manager Zuversicht. Messe-Chef Göke sprach von einem "stabilen Buchungsstand", auch wenn die Ausstellerzahl unter der Vorjahresmarke bleibe. Er verwies auf jüngste Prognosen der Welttourismusorganisation, die nach einem leichten Rückgang der Touristenzahl im vorigen Jahr von gut einem Prozent auf 689 Millionen für 2002 einen leichten Zuwachs oder zumindest eine Stagnation für möglich hält. Langfristig bleibt der Weltverband bei seinen Wachstumsprognosen für die Touristik.

Manche Manager bedauerten die Absage ihrer Konzerne für die ITB bereits, sagte Göke. "Nach Ansicht vieler Branchenvertreter wird die ITB das Sommergeschäft 2002 weiter beleben und die Planungen für ein erfolgreiches Geschäftsjahr 2003 vorantreiben." Es sei bedauerlich, dass auch im Bereich der neuen Technologien namhafte Aussteller fehlten. Jedoch werde die Deutsche Telekom auf der ITB erstmals ihr Internet-Reiseportal präsentieren.

Der Branchenverband BTW sieht auf dem deutschen Markt nach ersten Aussagen von Hotellerie, Autovermietern und der Reisebusbranche Anzeichen für eine leichte Belebung. Erste Zwischenbilanzen der großen Reisekonzerne zeigten zudem, dass die Nachfrage für Pauschalreisen im Sommer 2002 anziehe, nur eben deutlich später als früher. "Es wird so spät gebucht wie noch nie", sagte BTW-Generalsekretär Ehlers. Die Vorsitzende der Deutschen Zentrale für Tourismus (DZT), Ursula Schörcher, sieht angesichts einer Zurückhaltung bei Flugreisen große Chancen für Inlandsreisen.

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