Zeitung Heute : Toyota: Der Yaris ist nun ein Franzose

Ingo Von Dahlern

Die Autos dort zu produzieren, wo sie verkauft werden, ist seit vielen Jahren Element der Firmenphilosophie von Toyota. Und als ersten Standort für die Produktion von Fahrzeugen für den europäischen Markt wählte Toyota ebenso wie auch andere japanische Marken Großbritannien. Da das Vereinigte Königreich aber vorerst nicht Mitglied der Euro-Zone wird, bereiten die Wechselkurse des Pfundes nicht nur Toyota viele Sorgen. Das trug mit dazu bei, beim Ausbau der europäischen Fertigungskapazitäten Ausschau nach einem anderem europäischen Land zu halten. Dabei entschied man sich gegen harte Konkurrenz vieler europäischer Länder schließlich für das nordfranzösische Valenciennes.

Das ist eine Stadt, die schon recht eng mit dem europäischen Automobilbau verbunden ist. Denn hier steht das Gemeinschaftswerk von Fiat und der PSA-Gruppe mit ihren Marken Citroën und Peugeot, in dem die Großraumlimousinen gefertigt werden, die als Fiat Ulysse und Lancia Z sowie als Citroën Evasion und Peugeot 806 angeboten werden. In diesem Valenciennes begann Toyota nach der Grundsteiunlegung im Jahr 1998 ein Jahr darauf mit dem Bau eines neuen europäischen Pkw-Werkes. Erstes Produkt dieses Werkes ist der kompakte Toyota Yaris. Und dessen erstes Exemplar ist am 31. Januar 2001 als der erste Yaris aus französischer Produktion und damit zugleich auch der erste französische Japaner vom Band gerollt.

Knapp 610 Millionen Euro hat Toyota bislang in das neue Werk investiert, das inzwischen mehr als 1000 Mitarbeiter zählt, deren Zahl bis zum Jahresende auf 1500 wachsen soll. Wenn das neue Werk in Valenciennes seine volle Produktionskapazität von 150 000 Fahrzeugen pro Jahr erreicht, sollen dort sogar 2000 Menschen arbeiten. Toyota hat dieses Werk als eine hochmoderne schlanke und zugleich umweltverträgliche Fabrik des 21. Jahrhunderts gestaltet, die nach dem kontinuierlich weiterentwickelten Toyota Production System (TPS) organisiert ist.

So werden an jedem Punkt des Bandes genau jene Teile angeliefert, die gerade benötigt werden - nicht mehr und nicht weniger. Diese "just-in-time"-Fertigung arbeitet mit minimalen Materiallagern und so wenig Abfällen wie möglich. Zugleich wird auf höchste Fertigungsqualität gesetzt. Dabei werden die Mitarbeiter nach der "Kaizen"-Methode dazu angehalten, ständig nach Verbesserungen im Fertigungsprozess zu suchen. "Jidoka" erlaubt es zudem jedem Mitarbeiter, an seinem Arbeitsplatz das Fertigungsband anzuhalten, wenn es denn einmal Qualitätsprobleme gibt.

Der in Valencinennes vom Band rollende Toyota Yaris, der 1999 auf dem Markt eingeführt wurde und inzwischen knapp 235 000 Mal verkauft wurde, wurde zwar von Europäern für den europäischen Markt entwickelt, doch schnell eroberte er unter dem Namen Vitz auch den japanischen Markt und wurde zum einem begehrten Modell vor allem für modebewusste junge Käufer. Zur Produktphilosophie des Yaris gehört die betont kurze nur 3,61 Meter messende Karosserie, die mit 1,55 Meter allerdings betont hoch ist. Das schafft ein maximales Platzangebot bei minimalen Außenmaßen. So finden in diesem kleinen und dennoch geräumigen Wagen vier Erwachsene einschließlich Gepäck oder auch eine fünfköpfige Familie mit Kindern Platz. Obwohl der Yaris ein wendiges Stadtfahrzeug ist, mit dem man auch recht kleine Parkplätze nutzen kann, bewährt er sich auf längeren Touren als kompakter und komfortabler Reisewagen.

Neben seinem unverwechselbaren Design zeichnet den kleinen Toyota sein variabler Innenraum aus. So lässt sich die Rückbank des kleinen Fronttrieblers in der Längsrichtung verschieben. Kurze Überhänge und eine niedrige Ladekante und eine eigenwillige und bislang einzigartige Fluoreszenz-Digitalanzeige gehören zu seinen spezifischen Elementen. Als Antrieb dient ihm ein kraftvolles Einliter-Triebwerk mit einer Leistung von 50 kW (68 PS), mit dem Toyota ebenso wie beim Yaris-Design neue Wege beschreitet. Denn der Sechzehnventiler verfügt über eine variable Ventilsteuerung (VVT-i), wie sie bislang nur höheren Fahrzeugklassen vorbehalten ist. Bis zu 156 km/h erreicht der kleine Toyota, der für den Spurt auf 100 km/h 13,6 Sekunden braucht. Der Durchschnittsverbrauch hält sich mit 5,6 l/ 100 km in sehr bescheidenem Rahmen. Schon sechs Monate nach der Markterinführung wurde die Motorenpalette durch den kraftvolleren 1,3-Liter mit 63 kW (86 PS) erweitert. Und als neueste Variante erscheint in diesen Tagen der Yaris TS mit 1,5 Liter Hubraum und einer Leistung von 78 kW (106 PS), tiefer gelegtem Fahrwerk und sportlicher Optik.

Das neue Werk in Valenciness ist überigens nicht das einzige Engagement von Toyota in Frankreich. Denn neben einem Fahrzeug-Zentrum am selben Standort entstand in Paris auf den Champs Elysées der repräsentative Showroom "Le Rendez-Vous Toyota" und in Sophia Antipolis in der Nähe von Nizza ein neues europäisches Design-Zentrum.

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