Zeitung Heute : Träume vor den Türen

CHRISTOPH FUNKE

Baracke des Deutschen Theaters: "Schwebende Lasten" von Fred ApkeCHRISTOPH FUNKE Zuletzt sind die Türen, seitlich auf der nackten dunklen Bühne angeordnet, immer wieder eine Zuflucht.Sie entlassen die Träume, und nehmen sie in ihren Schutz.Männer und Frauen gehen durch diese blendend weißen Tore vor schwarzen Tuch-Verliesen in ein Leben der "schwebenden Lasten", der geheimnisvollen Visionen, der entrückten, rätselvollen Konflikte hinaus.Fred Apke zeigt in der Baracke des Deutschen Theaters als Co-Produktion mit dem Stadttheater Fürth "szenische Bruchstücke", alltägliche Begebenheiten, nicht vom Intellekt gesteuert, sondern von einem empfindsamen, verletzlichen Unterbewußtsein.Bis auf zwei Ausnahmen sind diese Versuche stumm, aber sie reagieren auf Toneinspielungen, auf Geräusche, auf verschlüsselte Texte vom Band.Erinnerung an Alltägliches kommt auf die Bühne, merkwürdig fremd anmutend, und doch vertraut. Dabei bleibt das Schlafwandlerisch-Träumerische bestimmend.Eine Frau posiert mit dem Sektglas in der Hand, und sucht den Wasserstrahl mit diesem Glas zu fangen, der von oben herniederrinnt.Ein roter Hut, oder ein Stuhl werden zum Zeichen von Machtspielen, die mit dem Tode enden oder dem Erfolg des Gewitzten.Es gibt den Zufall der Begegnung - ein Kommen, Gehen, Erkennen, Verkennen, langsam und hastig, ernst und ironisch.Drei Kisten werden auf die Bühne gezogen, und drei Herren entdecken in ihnen, aufschreiend, das Geheimnis - nämlich eine zweite Ausfertigung des eigenen Schlipses.Der Blinde geht sicheren Schrittes durch das Dunkel der Bühne, ist zugleich Partner und Dämon.Am Schluß, auf einem kleinen Wagen, findet das Schachspiel statt, um den endgültigen Sieg, die endgültige Niederlage.Der Blinde triumphiert - ist er der Tod, auch für die Frau, die im weißen Kleid im Gestänge einer Wand hängt, vorsichtig im Kreis gedreht? Dieses Theater, das sich zurücknimmt und fast ohne Text auskommt, materialisiert eine Vorstellungswelt, die sich genauer Bestimmung, logischem Ablauf und psychologischer Deutung entzieht.Die szenische Festlegung, choreographisch und pantomimisch sorgsam genau, bleibt zugleich auch flüchtig, gehorcht einer Phantasie, die sich in der Mitwirkung des Zuschauers ausleben, vervollkommnen muß. Weitere Vorstellungen heute (13.) und am 17.und 18.Oktober, jeweils 21 Uhr. 

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