Zeitung Heute : Tragische Wendung

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Zum Tod von Rainer Maria Schopp, Reprograph der BBK-DruckwerkstattkbmZwei Wochen nach seinem Tod haben am Sonntag die Mitarbeiter der Druckwerkstatt und über achtzig Künstler ihrer Trauer über den Verlust von Rainer Maria Schopp in zwei großen Todesanzeigen Ausdruck verliehen.Der Berliner Fotograf, der als Reprograph in der Druckwerkstatt des Berufsverband Bildender Künstler (BBK) arbeitete, hat sich am 29.September das Leben genommen.Die Kündigung von Kollegen und die Schließung von Abteilungen in der für alle offenen Werkstatt hatten sich für ihn zu einer ausweglosen Situation gesteigert. Damit hat ein lange schwelender Konflikt zwischen Künstlern und BBK eine tragische Wendung genommen.Ende März hatte das Kulturwerk des Berufsverbands Bildender Künstler den Leitern der Werkstätten für Offset-, Hochdruck und Radierung sowie einem technischen Mitarbeiter in Berlin gekündigt.Begründet wurden die Werkstatt-Schließungen mit einem Etat-Defizit.Auf den massiven Protest von Künstlern, Kulturinstitutionen und Politikern, die sowohl den ökonomischen wie den künstlerischen Sachverstand hinter den Entscheidungen anzweifelten, reagierte der BBK mit einer Verleumdungsklage.So versuchte er, Diskussionen mit Einschüchterungsgesten abzuwürgen.Aus diesem Anlaß hat der Kulturausschuß des Abgeordnetenhauses bei der Senatsverwaltung eine Prüfung der BBK-Geschäftspraktiken in Auftrag gegeben. Rainer Werner Schopp, dessen Stelle von den Kündigungen nicht direkt betroffen war, habe die Ungerechtigkeit der autoritären Entscheidungen des BBK, die über die Köpfe der Werkstattmitarbeiter getroffen wurde, nicht ausgehalten, so Norbert Pritsch, Leiter der Einrichtung mit Sitz im Künstlerhaus Bethanien.Ihn habe die widersprüchliche Handlungsweise des Verbandes - einerseits eine neue Medienwerkstatt aufbauen zu wollen, gleichzeitig aber die Möglichkeiten für neue Bildbearbeitung in der Druckwerkstatt zu vernichten - sehr erregt.Um Rainer Maria Schopp und sein Engagement für die Kunst trauern nicht nur Werkstattmitarbeiter und ehemalige Kollegen, sondern ein großer Teil der Berliner Kunstszene. Es ist schwer vorstellbar, wie sich in dieser Situation das zerstörte Vertrauensverhältnis zwischen der Werkstatt und ihrem Träger wieder herstellen läßt.Norbert Pritsch selbst beklagt die mangelnde Transparenz der Strategie des BBK.So veranstaltete der Verband ein dreitägiges Hearing zu neuen Medien und moderner Bildbearbeitung, ohne jedoch die Druckwerkstatt einzuladen.Ganz offensichtlich sei das Argument, es gehe bei den Schließungen von Werkstattabteilungen um Umstrukturierung und Modernisierung, nur vorgeschoben.

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