Zeitung Heute : Trau, schau, wem - Tipps für den individuellen Check

Sibylle Miram

Die Vielzahl der Weiterbildungsinstitute in Berlin und Brandenburg macht Lernwilligen die Entscheidung schwer: Ist das Institut kompetent, sind die Dozenten gut, entspricht das Angebot den individuell gestellten Anforderungen? Es gibt tatsächlich Kriterien, an denen sich Lernwillige bei der Suche nach dem individuell passenden Institut orientieren können. Kosten, Dauer und Zeitaufwand sind leicht zu klären. Für alles weitere gibt es folgende Tipps

Der erste Kontakt. Seien Sie mutig und fordernd, rufen Sie das Institut ihrer Wahl an. Lassen Sie sich einen Termin geben und schauen Sie sich die Räumlichkeiten und Menschen an. Schließlich werden Sie viel Zeit in dem Institut verbringen. Sie sollten genau hinhören. Ist der Gesprächspartner offen für Sie und Ihre Fragen oder kurz angebunden und gestresst? Wichtig ist ein Beratungsgespräch mit viel Zeit und Transparenz. Werden Sie ernstgenommen - auch in Ihren Unsicherheiten und Ängsten? Und spricht man Ihre Sprache? Wenn Sie beim ersten Telefonat ein Wirrwarr unterschiedlichster Fachausdrücke zu hören bekommen, vermittelt dies nicht Kompetenz sondern schlicht Unfähigkeit, auf potenzielle Teilnehmer einzugehen. Sollte der Kurs Ihrer Wahl bereits voll sein: Werden Sie abgewimmelt oder versucht man Ihnen Alternativen anzubieten?

Vermittlungsquote. Erkundigen Sie sich gleich beim Erstkontakt nach der Vermittlungsquote der Kurse. Das Arbeitsamt verlangt bei allen geförderten Kursen eine Quote von über 60 Prozent. Vertrauenswürdiger sind 75 bis 80 Prozent. Und wie sieht die Betreuung bei der Arbeitsplatzsuche aus? Seien Sie kritisch, es geht um Ihre Zukunft!

Lehrkompetenz. Halten Institut und Dozenten, was der Name des Kurses verspricht? Fragen Sie nach Probeunterricht. Vielleicht läuft ein ähnlicher Kurs bereits, und Sie können sich für ein paar Stunden mit in den Unterrichtsraum setzen? So können Sie mit anderen Kursteilnehmern sprechen und deren Erfahrungen abfragen. Sprechen Sie auf jeden Fall mit dem Dozenten, um dessen Kommunikationskompetenz einzuschätzen. Ist er offen für Sie? Spricht er Ihre Sprache? Erkundigen Sie sich nach seiner Praxiserfahrung. Berufspraxis ist ein Indiz für sicheres Fachwissen.

Kursangebot. Wissen Sie genau, welche Weiterbildung Sie wollen? Fahnden Sie nach einem ganz konkreten Seminarangebot, dürften Sie bei einem Spezialinstitut am ehesten erfolgreich sein. Erkundigen Sie sich am besten bei den Arbeitsämtern, den beruflichen Informationszentren oder der IHK nach Institutslisten. Generell gilt: Je spezialisierter ein Anbieter, desto fachkompetenter. Nicht ganz so entschlussfreudige Teilnehmer haben bei eher generalistischen Instituten die Möglichkeit, sich von den unterschiedlichen Kursangeboten das passende herauszusuchen. Es bestehen auch mehr Kontaktmöglichkeiten. Mehr Kurse bedeuten mehr Praktika und die wiederum mehr direkte Drähte zu den unterschiedlichsten Betrieben. Das kann sich positiv auf die Vermittlungsquote auswirken, denn viele Betriebe übernehmen eher die Praktikanten oder Ausgebildeten von einem Träger, mit dem sie auch vorher schon gut zusammengearbeitet haben. Außerdem besteht bei eher generalistischen Instituten die Möglichkeit, einzelne Module von anderen Kursen mitzubelegen.

Lernatmosphäre. Auch hier müssen Sie sich selbst einschätzen: Mögen Sie eher ein sachliches Klima, in dem auch der Umgang zu Dozenten und anderen Teilnehmern nüchtern und neutral ist? Oder können Sie besser mit einer lockeren Atmosphäre umgehen, die den unkonventionellen Kontakt zwischen Ihnen und anderen unterstützt? Die Atmosphäre betrifft sowohl Unterrichtsblöcke als auch die Pausen. Überprüfen Sie gleich bei Ihrem ersten Besuch genau die Räumlichkeiten und deren "Flair".Die Autorin ist seit 1985 Geschäftsführerin des Vereins FORUM Berufsbildung.

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