Zeitung Heute : Trend zur Projektarbeit

Angelika Röpcke[dpa]

Projektarbeit ist nicht mehr nur typisch für die IT-Branche, den Bausektor oder Wissenschaftler, sondern in vielen Branchen üblich. „Projekte sind Aufträge mit festgelegtem Anfang und Ende. Das Ziel wird dabei meistens erst unterwegs gefunden, zum Beispiel bei der Entwicklung einer neuen Werbestrategie“, sagt der Soziologe Matthias Knut.

Der Experte vom Institut Arbeit und Qualifikation der Universität Duisburg- Essen weiß, dass in Projekten ohne Kreativität nichts geht. Budget und Ressourcen sind beschränkt. Die Selbstverantwortung jedes Projektmitarbeiters sei hoch, Bereitschaft zu Überstunden gefragt, sagt Knut. Dabei werden Projekte zunehmend nicht nur von Freien und „außer Haus“ realisiert. „Vielmehr konkurrieren die internen Mitarbeiter eines Unternehmens mit externen um die Arbeit.“ Egal ob fest oder frei – der Job sei von allen in gleicher Qualität und Zeit zu erledigen.

„Das stellt ganz neue Anforderungen an die Mitarbeiter“, sagt der Berufsbildungsexperte im Institut der deutschen Wirtschaft in Köln, Dirk Werner. „Ein Ingenieur muss in Projekten auch mit einem Volkswirt sprechen und zusammenarbeiten.“ Fachübergreifendes Wissen ist dann gefragt. Werner empfiehlt die Arbeit in Projekten auch für Berufsanfänger: „Für viele bedeutet Projektarbeit am Anfang den Einstieg in das Unternehmen.“ Die Firmen testeten so die Flexibilität von Neuen oder Freiberuflern. Wer sich auf Projekte einlässt, sollte allerdings bedenken, dass die eigenen Interessen nicht immer durchsetzbar sind: „Ich muss mit anderen kooperieren und Kompromisse eingehen“, sagt Werner.

Reizvoll an Projekten sind vor allem für erfahrene Projektarbeiter die höheren Verdienstmöglichkeiten, sagt der Arbeitssoziologe Markus Promberger vom Institut für Arbeitsmarkt und Berufsforschung (IAB) in Nürnberg. Problematisch findet er dagegen die Unsicherheit des Arbeitsverhältnisses: „Ich halte nichts davon, die Leute nur für zwei Jahre einzustellen, bis das Projekt beendet ist.“ Denn derjenige, der die Arbeitslosigkeit vor Augen habe, suche kurz vor Projektende schon nach einem neuen Job.

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