Zeitung Heute : Trendsportarten unseres Lebens

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HULA HOOP

Laufzeit: 1958 beginnt der Amerikaner Arthur Melin, den Reifen en gros zu produzieren. Im ersten Jahr verkauft er mehr als 100 Millionen Stück. Seit kurzem feiert Hula Hoop ein Revival in FitnessStudios. Stefan Raab hat’s auch schon probiert.

Coolnessfaktor: Eher was für Doris Days Filmtöchter.

Trainingsfaktor: Kräftigt die Bauchmuskulatur. Außerdem wird das Gewebe gestrafft – nach etwa 2500 Umdrehungen.

Berühmteste Vertreter : der österreichische Ringer Roman Schedler, alias „Mister Hoop". Er ist mehrfacher Weltrekordler und kann einen 24 Kilo schweren Traktorreifen 71 Sekunden lang kreisen lassen.

SKIGYMNASTIK

Laufzeit: 1967 im Bayerischen Rundfunk erfunden, populär in den 70ern und frühen 80ern.

Coolnessfaktor: Begrenzt, auch dank Greger, dessen Orchester den Sound lieferte. Hätte heute Retrochancen, vor allem in den Original-Trainingsanzügen.

Trainingsfaktor: Hoch. Eine halbe Stunde Abfahrtslauf vor dem Bildschirm fordert die Oberschenkel enorm.

Berühmteste Vertreter: Rosi Mittermaier und Christian Neureuther. Die gingen bis vor kurzem im Hessischen Rundfunk immer noch in die Hocke, nur hieß es nicht mehr Telegymnastik, sondern „Snow-fun“.

JAZZDANCE

Laufzeit: Die 80er.

Coolnessfaktor: Himmelhoch, nach Jennifer Beals in „Flashdance“. Dass wir in miefigen Mehrzweckhallen nach Kate Bush aus schepprigen Kassettenrekordern tanzten, müssen wir übersehen haben.

Trainingsfaktor: Gar keiner.

Berühmteste Vertreter: Volkshochschullehrerinnen, die sich freiwillig mit pubertierenden Mädchen herumschlugen.

AEROBIC

Laufzeit: Ab 1972 erforscht der US-Militärarzt Major Kenneth H. Cooper die Wirkung von Ausdauertraining auf Herz und Kreislauf und findet heraus, dass es im aeroben Bereich, also mit ausreichender Sauerstoffversorgung, die besten Effekte erzielt. 1976 veröffentlicht er ein Buch über seine Ergebnisse: „Aerobics" – ein Bestseller. Daraufhin integrieren viele amerikanische Trainerinnen Ausdauertraining in ihre Gymnastikprogramme: auch Leni Cazden, Lehrerin von Schauspielerin Jane Fonda, die 1982 und 1983 zwei Studios in San Francisco eröffnet und ihre Gymnastik „Aerobic" nennt. Heute in Millionen Studios.

Coolnessfaktor: Der eines Klassikers.

Trainingsfaktor: Super. Schneller – „high impact“ – hält es die Lungen fit. Lauer – „low impact“ – lässt es das Fett schmelzen.

Berühmteste Vertreter: Jane Fonda. In Deutschland tanzt die Schauspielerin Sydney Rome vor.

YOGA

Laufzeit: Schon zwischen 500 und 300 vor Christus entsteht eine der wichtigsten Yoga-theoretischen Schriften, die „Bhagavad Gita“. Aus ihr werden noch heute das „Pranayama“, die Atemübungen, und das „Hatha Yoga“, die körperlichen Übungen, praktiziert. Hatha wiederum unterteilt sich in Power-Yoga, Astanga, das sanfte Flow-Yoga, Viniyoga, und in Iyengar, wo es mehr um Statik als um Bewegung geht.

Coolnessfaktor: Immer wenn der Buddhismus in ist im Westen, startet auch Yoga wieder durch.

Trainingsfaktor: Gelenkigkeit, Gelenkigkeit, Gelenkigkeit. Und Gelassenheit.

Berühmteste Vertreter: Christy Turlington, Madonna, Sting, Gwyneth Paltrow, Barbra Streisand… ach, halb Hollywood.

SPINNING

Laufzeit: Um bei seiner schwangeren Frau zu sein, verlegte der Extremsportler „Johnny G“ 1989 sein Radtraining in die heimische Garage. Freunde und Musik kamen dazu, und so entstand das erste Johnny-G-Spinning Center in Kalifornien. Die Fahrräder stehen beim Spinning im Kreis, man strampelt stehend, sitzend, mit aufgestützten oder geraden Armen. Getreten wird nach rhythmischer Musik.

Coolnessfaktor: Hoch – obwohl man nach einer Stunde hässlich-lilagesichtig vom Rad kippt.

Trainingsfaktor: Lance Armstrong zeigt: Es muss was dran sein.

Berühmteste Vertreter: Schwarzenegger und Brooke Shields tun’s auch mit Johnny.

NIA

Laufzeit: Die US-Bewegungstrainer und Esoteriker Debbie und Carlos Rosas haben Nia (Neuromuscular Integrativ Action) 1983 erfunden. Jetzt kommt es in die Fitnessstudios. Von außen betrachtet: Da tanzen oder krabbeln Menschen mit entrückten Gesichtern, und jeder tanzt oder krabbelt anders. Von innen betrachtet, soll Nia Fitness für Körper, Geist und Seele sein und östliche und westliche Philosophien verbinden: „die Konzentration im Tai Chi, die Dynamik des Yoga, die explosive Kraft von Kampfsportarten wie Aikido, die Spontaneität der modernen und ethnischen Tänze und Ansätze der Körpertherapien“.

Coolnessfaktor : Esoterisch veranlagte Menschen mögen das Wort „cool“ nicht. Deshalb: Coolnessfaktor null.

Trainingsfaktor : In Nia, heisst es, geht es nicht um Leistung, sondern darum, den eigenen Körper kennen zu lernen.

Berühmteste Vertreter: noch niemand

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