Zeitung Heute : Trip zum Regenbogen ueber dem Fall der Faelle oft nur als Stippvisite

KLAUS THIELE

Zimbabwe bietet mehr als donnernde Wassermassen VON KLAUS THIELE

Aus ueber 100 Metern stuerzen Zimbabwes Victoriafaelle in die Tiefe.Sie scheinen einfach in einem Spalt der Erde zu verschwinden.DieWasserfaelle funktionieren wie ein Touristenmagnet.Das haben dieEinheimischen laengst erkannt.Brennt die Savanne? Eine Rauchsaeule amHorizont scheint eine Katastrophe anzukuenden.Doch es ist nur "derRauch, der donnert".So nannte das einheimische Shona-Volk diegrandiosesten Wasserfaelle der Welt, bevor 1855 der erste Weisse kamund ihnen den Namen der britischen Koenigin Victoria gab.DavidLivingstone hiess der Missionar und Forscher, dessen Denkmal heutedort steht, wo Besucher ihren Bummel entlang den Victoriafaellenbeginnen.Livingstone war von dem Bild derart beeindruckt, dass erschwaermte, dergleichen wuerden normalerweise nur Engel im Flugeerblicken.Da liegt es natuerlich nahe, dass heute immer mehrTouristen mit einer kleinen Piper Atzec oder mit einem Hubschrauber zueinem Rundflug ueber die Faelle starten.Der donnernde Rauch weist zwar nicht auf die hoechsten, aber doch wohleindrucksvollsten Faelle der Welt hin.Eigentlich sind es, wie manwaehrend der Trockenzeit sehr gut erkennt, fuenf bis zu 108 Meter hoheWasserfaelle, die sich da ploetzlich von allen Seiten in eine enge, imrechten Winkel zum breiten Sambesistrom verlaufende Schlucht stuerzen.Sie scheinen einfach, wie Livingstone staunte, in einem Spalt der Erdezu verschwinden.OEstlicher Katarakt, Regenbogen-, Hufeisen-,Hauptfaelle und Teufelskatarakt vereinen sich zum breitestenWasservorhang der Erde, wenn der Sambesi in der Regenzeit dieWassermassen aus Angola und Sambia heranwaelzt.Auf 1708 Meter Breitestuerzen dann pro Minute bis zu 550 Millionen Liter Wasser ueber dieBasaltwaende, bevor sie schaeumend acht Kilometer lang durch einenZickzackkurs wilder Canyons brodeln, spaeter dann gemaechlich demKaribastausee, dann Mozambique und dem Meer entgegenfliessen.Wenn der Rauch am heftigsten donnert, stolpern Besucher derVictoriafaelle freilich oft im Spruehregen herum, in der Gischtwolkewerden sie patschnass, sehen nur wenig von den gewaltigen Kaskaden.Das ist vor allem von Maerz bis Mai der Fall.Dass man voruebergehendim Regen steht, kann einem von Januar bis August passieren, vonSeptember bis Dezember ist die Sicht in der Regel am besten, dann abersind eben Teile der gigantischen Wasserfront ausgetrocknet.DerRegenbogen ueber dem "Fall der Faelle" ist - man kann sich fast daraufverlassen - auch in dieser Jahreszeit fuers Erinnungsfoto zuverlaessigzur Stelle.Die Victoriafaelle sind Zimbabwes groesste Touristenattraktion.IhreLage im Westzipfel des Landes aber macht sie auch zu einem Problemfuer die Fremdenverkehrsexperten.Denn viele Urlauber betrachten dieFaelle nur als Zugabe fuer eine Suedafrikareise, fliegen kurz vonJohnannesburg ein und wieder aus, reisen alternativ am naechsten Tagweiter zu den "letzten Paradiesen" in Botswana, zum Chobe-Nationalparketwa mit seinen riesigen Elefantenherden.Nationalparks aber mitgrossen Tierbestaenden gibt es auch in Zimbabwe, denHwange-Nationalpark etwa, nur 15 Flugminuten entfernt, oder das Gebietum den Karibasee - und dazu noch die Zimbabwe-Ruinen, Afrikaswichtigste archaeologische Staetten suedlich der Pyramiden.Es wurmtdie Regierung von Zimbabwe, dem einst von Weissen beherrschtenRhodesien, heute eines der stabilsten Laender im suedlichen Afrika,schon erheblich, dass die Victoriafaelle fuer die meisten Reisendennur Ziel fuer eine Stippvisite sind.Der Ort Victoria Falls mit seinen knapp 6000 Einwohnern lebtallerdings ganz gut davon.Es gibt wohl nicht viele Einheimische, dienichts mit Tourismus zu tun haben.Victoria Falls hat dem frueherwichtigeren Livingstone jenseits der 111 Meter hohen Bruecke ueber dieSambesischlucht laengt den Rang abgelaufen.Denn Livingstone, einstAnlaufstation fuer Reisende zu den Victoriafaellen, liegt in Sambia.Der 2700 Kilometer lange Sambesi bildet von den Faellen bis hinter denKaribasee die Grenze zwischen Zimbabwe und Sambia.Aber jenseits derBruecke ist die Infrastruktur derart verrottet, dass nur wenigeTouristen nach Sambia reisen.Ganz Mutige bezahlen viel Geld fuer denNervenkitzel, sich als Bungee-Springer von der 1901 erbauten Brueckezwischen beiden Staaten zu stuerzen.Victoria Falls hat sich einen kraeftigen Schuss vom guten alten Afrikabewahrt.Vorzeigeherberge ist das angenehm plueschigeVictoria-Falls-Hotel, vor dem ein an die Kolonialzeit erinnernderPortier mit einer Brust voller Orden steht - darunter auch dasAbzeichen von Schalke 04.Abends gibt es im "Kraal" wildeStammestaenze.Vor Sonnenuntergang treffen sich fast alle, die inVictoria Falls uebernachten, auf dem Sambesi.In kleinen, bequemen Booten gleiten sie auf einer "Sundown Cruise",einer Sonnenuntergangskreuzfahrt, ueber den Fluss, der oberhalb derFaelle breit und bequem dahinfliesst, Sandbaenke und Inseln bildet.Waehrend der Bootsfuehrer einen Sekt namens "Le Grand Charlemagne",abgefuellt in Zimbabwe, kredenzt, tauchen am Ufer Klaffschnabelstorch,Purpurreiher und Kormoran auf.Wie auf Befehl brechen auf der InselLong Island Elefanten aus dem Uferdickicht, und die Flusspferde liegenwie gewohnt faul in der "Hippo Pool" genannten Bucht.Das ist Safariauf die komfortabelste Art.Auch dieses Gebiet des Sambesi gehoert zu den Nationalparks Zimbabwes,das ueber eine Reihe von Naturreservaten verfuegt.EineKrokodil-Ranch, White River Rafting auf dem Sambesi, einueberdimensionaler, uralter Baobab-Baum, Kunsthandwerk im VictoriaCraft Village - das sind ein paar weitere Gruende, wenigstens einpaarTage in Zimbabwes westlichstem Winkel zu bleiben, wo die Gischt derVictoriafaelle ein Stueck Regenwald als besonderes Biotop unentwegtberieselt, eine Enklave tropischer Vegetation, sozusagen vomrauchenden Donner getroffen.

Tagesspiegel - Debatten


Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben