Zeitung Heute : Trüffelschweine des Buchmarktes

REGINA KÖTHE

Literaturagenten agieren als Vermittler zwischen Autor und VerlagVON REGINA KÖTHE"Die Verlage lecken sich immer die Finger nach guten Büchern", sagt Matthias Landwehr, Mitinhaber der Berliner Agentur Eggers & Landwehr.Und Autoren sind vor allem an der Veröffentlichung ihrer Werke interessiert und haben wenig für heikle Vertragsverhandlungen übrig.Dies ist der Ansatzpunkt des Literaturagenten, eines Berufszweiges, der ursprünglich aus England kommt; Alexander Pollock Watt gründete 1875 in London die erste "literary agency".Ein Agent vermittelt einem Autor einen Verlag und übernimmt die Verhandlungen.Dabei hat er die knifflige Aufgabe, zwischen literarischen Ansprüchen und Verkäuflichkeit der "Ware Buch" einen Weg für sich und den Autor zu bahnen.Wie vor 100 Jahren werden Agenten mit einem Erfolgshonorar bezahlt, das in der Regel zwischen zehn bis fünfzehn Prozent der ausgehandelten Summe liegt.Zumeist arbeiten sie auf zwei Ebenen, sie betreuen Autoren und vertreten Verlage, die ihre Titel in anderen Ländern verkaufen wollen.Große Agenturen wie Mohrbooks oder Peter & Paul Fritz aus Zürich arbeiten zumeist als "Subagenturen" angloamerikanischer Verlage und Agenturen.Während es in England und den USA üblich ist, daß sich ein Autor, der sein Manuskript an einen Verlag verkaufen will, an einen Literaturagenten wendet, so wurde dieses Verfahren in Deutschland lange Zeit als "zu kaufmännisch" abgelehnt.Das hat sich geändert: Die Verschlankung der Lektorate, das Outsourcing, zwingt die Verlage dazu, mit externen Vermittlern zu kooperieren, die ihnen Autoren und Titel liefern.Für die Schriftsteller ersetzen die Agenten ein Stück kontinuierliche Betreuung, die Lektoren heute oft nicht mehr leisten können.Ebenso vollzieht sich bei den Autoren ein Wandel, sie suchen nicht nur den besten Verlag für ihre Bücher, sondern zusätzlich den "bestmöglichen Verhandler".Diesem Trend entspicht die vor drei Jahren gegründete Agentur Eggers & Landwehr, die vor allem deutschsprachige Autoren betreut, zum Beispiel Irene Dische, Claus Leggewie und Ignaz Bubis.Inzwischen hat eine Dependance in New York eröffnet.Wie bei einer Anwaltskanzlei oder einem Steuerbüro kommen die "Klienten" über Empfehlungen."Wir akquirieren nicht", sagt Matthias Landwehr nicht ohne Stolz.Die Agentur betreut Autoren, deren Manuskripte sie als "hoch erfolgreich" bewertet.Das bedeutet nicht, daß nur gängige Literatur und bereits eingespielte Autoren betreut werden.Bei Debütautoren ist das manchmal "eine Investition in den Autor", wenn die Kosten bei der Vermittlung im Verhältnis zur Provision zu hoch sind.Der Beruf des Literaturagenten ist nichts für Einsteiger ins Verlagsgeschäft.Branchenkenntnis, Glaubwürdigkeit und ein fairer Interessenausgleich kennzeichnen einen guten Agenten.Das für Deutschland relativ neue Berufsbild ist etwas für erfahrene Kenner des Buchhandels und Verlagswesens, die Verhandlungsgeschick und Fingerspitzengefühl besitzen im Umgang mit Autoren, Lektoren und Verlegern.Eine idealtypische Vermittlung läßt sich in drei Phasen aufteilen: Initiierung eines Projektes, Angebots- und Verhandlungsphase.Einfühlungsvermögen und die Fähigkeit, produktive Kritik zu äußern, sind in der ersten Phase wichtig."Schließlich ist der Agent meistens der erste, der nach dem Lebenspartner das Werk kennenlernt", erzählt Matthias Landwehr.Ein als verkäuflich eingeschätztes Buch bietet der Agent gezielt den Verlagen an, die ein passendes Programm, einen Lektor, der sich mit dem Autor versteht sowie gezielte Werbung und Pressearbeit zu bieten haben."Ohne Branchenkenntnisse und gute Kontakte geht gar nichts", sagt Martin Bauer, Cheflektor des Fischer Taschenbuch Verlages.Haben im besten Fall mehrere Verlage ihr Interesse bekundet, dann wird eine "Auktion" gestartet, die meistens per Telefon oder Fax abläuft und bis zu zwei Wochen dauern kann.Die Lektoren machen ihre Angebote und es wird "nie gefragt, nie gesagt", wer die Mitbieter sind, denn Diskretion ist oberstes Gebot.Als Interessenvertreter des Schriftstellers ist ein Agent bares Geld wert.Es gilt in der Branche, daß sich mit Agent das Honorar eines Autors verdoppeln kann.Sollte er jedoch mit einem Verlag einen hohen Vorschuß ausgehandelt haben und die in das Manuskript gestellten Erwartungen erfüllen sich nicht, dann hat der Agent einen Kooperationspartner verloren und ebenso seinen Klienten, den Autor, enttäuscht.Die Agentur von Jutta und Bettina Nibbe in München hat sich auf das Lizenzgeschäft in Osteuropa spezialisiert.Die 32jährige ist vor zwei Jahren in die von ihrer Mutter 1989 aufgebaute Literaturagentur eingestiegen.80 Prozent ihrer Kunden sind deutschsprachige Verlage wie Ullstein, Kiepenheuer und Südwest, die Lizenzen nach Polen, Rußland oder Ungarn verkaufen wollen.Im Geschäft mit Osteuropa geht es nicht um so hohe Lizenzsummen wie in Westeuropa oder gar im angloamerikanischen Raum.Doch Bettina Nibbe hält, ebenso wie ihre Mutter, Osteuropa für einen Markt der Zukunft."Allein Moskau hat zehn Millionen Einwohner.So einen Markt kann man nicht auf Dauer ignorieren", urteilt sie.

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