Zeitung Heute : Türkische Haft für Teenager empört Politik

Susanne Güsten

Berlin/Ankara - Der Fall des in der Türkei inhaftierten Teenagers Marco W. aus dem niedersächsischen Uelzen ruft nun verstärkt die Politik auf den Plan. Nachdem die Bundesregierung von der Regierung in Ankara die Entlassung des wegen sexuellen Missbrauchs angeklagten 17-Jährigen gefordert hatte, verlangte am Wochenende auch SPD-Bundestagsfraktionschef Peter Struck im „Spiegel“, die Türken sollten den Jungen freilassen. Er sei erschüttert über die Haftbedingungen in Antalya, sagte Struck, der Uelzen im Bundestag vertritt.

Marco W. sitzt seit dem 12. April im Gefängnis, sein Prozess soll am 6. Juli fortgesetzt werden. Der Jugendliche muss sich offenbar mit 30 anderen ausländischen Gefangenen eine Zelle, eine Dusche und eine Toilette teilen. Seine Eltern darf er nur ein Mal pro Woche durch eine Glasscheibe hindurch sehen.

Die Eltern eines britischen Mädchens namens Charlotte, das seine Ferien im selben Hotel wie Marco verbracht hatte, werfen ihm sexuellen Missbrauch ihrer 13-jährigen Tochter vor. Marco und Charlotte haben ausgesagt, dass sie nur geschmust haben. Das Mädchen soll sich zudem als 15-Jährige ausgegeben haben. Nach einem Bericht der türkischen Zeitung „Hürriyet“ bestätigten medizinische Untersuchungen, dass Charlotte noch Jungfrau ist; allerdings seien bei dem Mädchen Spermaspuren gefunden worden. Das türkische Strafrecht sieht bei Unzucht mit Minderjährigen bis zu acht Jahre Haft vor; der am 8. Juni begonnene Prozess gegen Marco findet vor einem Schwurgericht in Antalya statt, weil es dort kein Jugendgericht gibt. Wann mit einem Urteil zu rechnen sein wird, ist nicht bekannt. Susanne Güsten

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