Zeitung Heute : TUI: Ein Kessel Buntes

Horst Schwartz

Mitarbeitern von Reisebüros und Urlaubern fällt es schwer, den Überblick zu behalten: Der Trend der Touristikindustrie, das Angebot in immer mehr und immer speziellere Kataloge aufzuteilen, ist unübersehbar. Allein zur Wintersaison 2001/2002 hat die TUI Deutschland für ihre Urlaubsmarke "TUI Schöne Ferien!" 20 Kataloge mit insgesamt 3400 Seiten auf den Markt geworfen.

Wie um Wiedergutmachung für die Katalogflut zu leisten, hat die TUI die Preisteile aller Kataloge vereinfacht. Zusatztabellen und Fußnoten wurden auf ein Minimum reduziert. Die Reisesaisonzeiten stehen jetzt im Preisteil direkt bei jedem Hotel und sind farbig unterlegt; Reisekunden können auf einen Blick erfassen, welche Saisonzeit zu bestimmten Terminen für die einzelnen Hotels gelten.

Spanien ist für die TUI-Kunden auch im Winter das wichtigste Reiseziel. Allein die Kanarischen Inseln ziehen mehr als ein Drittel der Winterurlauber an. Der Schwerpunkt des Angebots liegt eindeutig im Vier-Sterne-Segment, das von der TUI noch einmal ausgebaut worden ist. Dabei ist die Urlaubsform "Alles inklusive" weiter im Vormarsch. Mit dem Clubhotel Riu Gran Canaria hat die TUI das erste All-Inclusive-Hotel auf Gran Canaria im Programm. Auch auf dem Spanischen Festland, das die TUI im Winter wegen der gestiegenen Nachfrage 42 Mal pro Woche anfliegt, halten All-inclusive-Angebote Einzug in die Winterprogramme. Das kürzlich eröffnete Hotel Barrosa Garden in Novo Sancti Petri an der Costa de la Luz ist dabei das Vorzeigeobjekt der TUI: Im Preis sind beispielsweise Tennis, Inline-Skaten, Mountain-Biken, Bogenschießen und unbegrenzt alkoholische und alhoholfreie Getränke von zehn Uhr morgens bis Mitternacht eingeschlossen.

Der von der TUI für diesen Sommer zum ersten Mal herausgegebene All-inclusive-Spezialkatalog war sehr erfolgreich: die Nachfrage nach entsprechenden Arrangements stieg schlagartig um 60 Prozent! Deshalb erscheint jetzt auch zum Winter ein erster All-inclusive-Katalog mit 128 Anlagen.

Klotzen statt kleckern ist auch die Devise des Veranstalters beim Türkei-Angebot: Es wurde gegenüber dem Vorjahr um 70 Prozent aufgestockt. Im Katalog sind auch so ansprechende Arrangements wie Wanderwochen "In den Gärten des Taurus" mit der AlpinSchule Innsbruck zu finden. Im Steilflug befindet sich Ägypten, was die TUI zu einem erheblichen Ausbau ihrer Flugverbindungen bewogen hat. So wird Sharm-el-Sheikh drei- statt bisher ein Mal die Woche von dreizehn Charterjets angesteuert. Außerdem gibt es zwei neue Zielflughäfen: Marsa Alam, etwa drei Autostunden südlich von Hurghada, von wo aus die Ferienorte Marsa Alam und El Queseir bedient werden, sowie Assuan als Ausgangspunkt für drei Rundreisen. "Robinson-Feeling" verspricht die TUI Ägypten-Urlaubern erstmals auch zu Wasser: Mit der MS Imperial wird das erste Nilkreuzfahrtschiff des Robinson Clubs an den Start gehen. Es hat 100 Betten in 46 Doppelkabinen und vier Suiten.

Natürlich hat die TUI auch "richtigen" Winter mit Eis, Schnee und Pistenvergnügen im Programm, und zwar in Deutschland, Österreich, der Schweiz, Frankreich und in Osteuropa. Im Skiort Zürs am Arlberg geht der fünfte österreichische Robinson-Betrieb an den Start, der Robinson Club Alpenrose Zürs. Neu für Berliner - und Winterurlauber in Halle, Leipzig, Dresden und Chemnitz - sind Busreisen in die österreichischen Regionen Zillertal und Wilder Kaiser. Ab Weihnachten wird zudem ein wöchentlicher Skishuttle aus Berlin und den neuen Bundesländern in die Hohe und Niedere Tatra angeboten.

Nahezu unbemerkt von den Reisenden - und zum Teil auch von Reisebüro-Mitarbeitern - hat die TUI in den vergangenen drei Jahren ihr Fernreiseprogramm umgebaut. Neben klassischem Badeurlaub und 230 Rundreisen können aus vier Fernreisekatalogen Reisebausteine gebucht werden: 1000 Hotels, individuelle Ausflugsmodule, Kurzrundreisen, Mietwagen, Motorhomes und Flüge. Alle Bausteine können miteinander kombiniert werden.

Die Preissteigerungen halten sich in Winterzielen in Grenzen, zum Teil liegen die Preise unter dem Niveau des Vorjahres. So werden Reisen in die Dominikanische Republik im Schnitt um sechs Prozent teurer, nach Thailand aber drei Prozent billiger. Den Preissteigerungen in Mexiko (sechs Prozent) stehen Preisabschläge in Südafrika (acht Prozent) gegenüber. Tunesien wird um sechs Prozent teurer, Mallorca um drei, Ägypten um knapp ein Prozent.

Allen Unkenrufen zum trotz ist das TUI-Umweltreferat unter Wolf-Michael Iwand nach dem Wechsel von TUI Deutschland zum Mutterkonzern Preussag aktiver denn je. So finden sich in den Katalogen bei einigen der Zielgebiete "Umweltausflüge", die in Zusammenarbeit mit lokalen Umweltverbänden konzipiert wurden und bei denen von jedem Ticket ein bestimmter Betrag an ein Naturschutzprojekt geht. Beim Ausflug "Ökologischer Park von Funchal" auf Madeira sind das beispielsweise umgerechnet fünf Mark.

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