Zeitung Heute : U-Boot-Kollision: Japan fordert von US-Marine schnelle Bergung

Der Untergang eines japanischen Fischerei-Schulschiffes durch den Zusammenstoß mit einem amerikanischen Atom-U-Boot bringt Washington zunehmend unter Druck. Nach dem japanischen Ministerpräsidenten Yoshiro Mori forderten am Montag auch Angehörige der neun Vermissten sowie Marineexperten die neue US-Regierung auf, das gesunkene Schiff schnell heben zu lassen.

Die Vereinigten Staaten verfügten über die nötige Spezialausrüstung, um die "Ehime Maru" aus 550 Metern Tiefe zu bergen, sagte ein japanischer Fachmann. US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld betonte, die Regierung unternehme "alles Menschenmögliche, um die letzten Besatzungsmitglieder des Schiffes zu finden". Von den neun vor der Küste von Hawaii Vermissten, darunter auch vier 17-jährige Fischerei-Schüler, konnte trotz intensiver Suche aber zunächst niemand gefunden werden.

"Ich möchte, dass uns die USA die Bergung des Schiffes für morgen zusagen", sagte der Schwager eines vermissten Besatzungsmitglieds laut der japanischen Nachrichtenagentur Kyodo. Ein US-Vertreter sagte jedoch einer Gruppe von rund 20 nach Hawaii gereisten Angehörigen, dafür sei nicht die nötige Ausrüstung für Ort. Japanische Rettungsfirmen haben nach den Worten von Spezialisten im Gegensatz zu den USA keine Erfahrung mit der Bergung von Schiffen aus größerer Tiefe.

Das Atom-U-Boot "USS Greeneville" hatte den japanischen Trawler am Freitag bei einer Auftauch-Übung gerammt. 26 der insgesamt 35 Menschen an Bord wurden gerettet, neun wurden vermisst. Obwohl es kaum noch Hoffnung gab, sie lebend zu finden, suchte die US-Marine das Meer rund um die zu Hawaii gehörende Insel Oahu weiter ab. Fast 10 000 Quadratkilometer Seefläche hatten die Suchtrupps bis zum Sonntagabend durchkämmt. "Wir machen weiter, solange es noch einen Hoffnungsschimmer gibt", sagte ein Sprecher der US-Küstenwache.

Ein Pentagon-Video zeigt, wie das Not-Auftauch-Manöver der "USS Greeneville" planmäßig ablaufen sollte. Darauf schießt ein computeranimiertes U-Boot im 45-Grad-Winkel an die Oberfläche und taucht - ähnlich wie ein Wal - wieder ins Wasser ein. Bei dem Not-Manöver wird Luft in die Ballast-Tanks des U-Boots gepumpt und verleiht ihm raschen Auftrieb. Nach Angaben eines US-Marineadmirals handelt es sich um eine Routineübung. Warum das U-Boot das über ihm schwimmende Schiff nicht ortete, blieb unklar. Rumsfeld versprach Aufklärung. Der Kommandant der "USS Greeneville" wurde vom Dienst suspendiert.

Aus japanischer Sicht könnte das Unglück zu einer Belastung der Beziehungen zwischen Tokio und Washington führen. "Die Lage ist für beide Regierungen ernst", schrieb die angesehene japanische Wirtschaftszeitung "Nihon Keizai Shimbun" am Montag in einem Leitartikel. Sollte mit der Situation jetzt nicht richtig umgegangen werden, drohe ein Riss in den bilateralen Beziehungen.

Davor fürchtet sich offenbar auch die Regierung. "Wir hoffen, dass dieser unglückliche Vorfall keine negative Auswirkung auf Japans Kooperation mit den USA haben wird", wurde Toyohisa Kozuki, im japanischen Außenministerium zuständig für den bilateralen Sicherheitsvertrag, zitiert. Für Japans Regierungschef Yoshiro Mori hat das Unglück bereits negative Auswirkungen: Er geriet unter Druck, weil er nach Eintreffen der Unglücksnachricht seelenruhig eine Partie Golf fortgesetzt hatte.

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