Zeitung Heute : Über allem der Frühling

SYBILL MAHLKE

Etta Hilsberg und die Camerata vocale verbinden Mendelssohn mit OrffSYBILL MAHLKEEtta Hilsberg ist aus der Berliner Kirchenmusikschule hervorgegangen, und ihre musikalische Fähigkeit hat sich dort geschult, bei Ernst Pepping noch, aber auch bei Martin Behrmann und Helmut Barbe.Seit zwölf Jahren leitet sie die Berliner Camerata vocale, und ein Auftritt in der Philharmonie mit dem vertrauten Radio Symphonie Orchester Pilsen bestätigt, daß sie über einen erstaunlichen dirigentischen Impetus verfügt.Sie wagt die politisch großzügige Konstellation, Felix Mendelssohn Bartholdy mit Carl Orff zu kombinieren. Über allem aber steht der Frühling: "Die Erste Walpurgisnacht" nach der Ballade von Johann Wolfgang von Goethe und "Carmina burana", Lieder aus der Benediktbeurer Handschrift. In der Ouvertüre des Mendelssohn-Werkes erweist sich, daß Etta Hilsberg sich auf reine Orchestermusik versteht.Dann aber kommt ihr Chor, der alle Tugenden von Textdeutlichkeit bis zu tadelloser Intonation parat hat.Der wildverschwörerische Chor der Wächter der Druiden, "Kommt! Mit Zacken und mit Gabeln" in dem Werk von Mendelssohn hat bei Etta Hilsberg weniger von der befremdlichen Modernität, die Hans Werner Henze kürzlich in Leipzig konstatiert und Kurt Masur interpretiert hat.Hilsberg ist eine eher harmonisierende Dirigentin, hat die schmiegsame Gestik derer, die Chöre leiten, aber etwas darüber hinaus.Das kommt ihr auch im "Reigen" der "Carmina burana" zugute. Das Orchester aus Pilsen beweist hohe Qualitäten, zumal seiner Hörner, die Camerata vocale singt ihr weltliches Kirchenlatein mit feiner, fesselnder Präzision.Und unter den Sängern macht der Bariton Stefan Stoll nachhaltig auf sich aufmerksam.

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