Zeitung Heute : Über den grünen Tee

DR. WEWETZER

Hartmut Wewetzer

DR. WEWETZER

Es ist wieder an der Zeit. Wenn die Abende länger werden und draußen Dunkelheit und Nässe regieren, sollte man es sich gemütlich machen. Nichts passt dazu besser als eine Tasse Tee (oder ein Glas Rotwein, aber davon soll hier nicht die Rede sein). Wie wäre es mit grünem Tee? „Grasig bis heuartig, meist leicht nach Blüten duftend, aber auch mit Aromen, die an Pfirsich oder Zitrone erinnern“: So umschreibt der Kollege Gourmetredakteur den Geschmack des grünen Tees. Schön gesagt!

Aber wir sind hier in einer Gesundheitskolumne. Unsere Zwecke sind profaner. Doch auch für die hat der grüne Tee einiges zu bieten. Er soll gegen Mundgeruch helfen, in Zahnpasta Bakterien bekämpfen, das Herzrisiko senken oder in einer Hautlotion vor Krebs schützen. All das sagt man ihm nach, und für einige dieser Behauptungen gibt es auch ernsthafte Hinweise, wenn auch nicht immer Beweise.

Jüngstes Beispiel: Eine Studie des Krebszentrums von Arizona in den USA. Das Testobjekt waren Raucher. Gemessen wurde ein Stoff im Urin, der auf Erbschäden hindeutet. Die Substanz mit dem Kürzel 8-OHdG entsteht, wenn sich aggressive Sauerstoff-Moleküle an der Erbsubstanz zu schaffen machen. Je mehr 8-OHdG im Urin, umso größer die Schäden an der Erbsubstanz und das Krebsrisiko, dem ja bekanntlich Raucher besonders ausgesetzt sind. Ergebnis der Studie: Raucher, die grünen Tee tranken, hatten fast ein Drittel weniger von dem verdächtigen Stoff im Urin als solche, die Schwarztee tranken oder überhaupt keinen Tee.

Unterdessen arbeiten Forscher an verbessertem grünen Tee in Pillenform. Die duften zwar wahrscheinlich nicht mehr nach Pfirsich und Zitrus, aber sollen den medizinisch wirksamen Inhaltsstoff EGCG in chemisch verbesserter und konzentrierter Form enthalten. EGCG knipst einen molekularen Schalter in der Zellmembran aus, von dem man wiederum annimmt, dass er krebsverdächtige Gene mit Strom versorgt.

Bis es soweit ist mit den Teepillen, trinken wir erstmal noch ein Tässchen. Dazu gibt es englische Ingwerkekse. Passt ebenfalls hervorragend zum Herbst und ist gesund dazu. Denn auch Gingerol, der Aromastoff der Ingwerwurzel, ist als Krebsbremse im Gespräch. Bei Mäusen hemmt Gingerol Darmkrebs, fanden Forscher heraus. Vielleicht ja auch bei uns.

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