Zeitung Heute : Überschätzter Einfluss

Mit den meisten Hedgefonds wird eine risikoarme Strategie verfolgt

Udo Rettberg

Sie genossen einst den Ruf, die „Könige der Finanzmärkte“ zu sein. Doch der Glanz der Hedgefonds ist verblasst. Gleichwohl widmet ihnen die breite Öffentlichkeit noch immer sehr viel Aufmerksamkeit. Dies hängt zum einen damit zusammen, dass die Strategien dieser modernen Finanzinvestoren so gut wie nichts mehr mit der „guten, alten Kapitalanlage“ zu tun haben, wie sie von Investmentfondsmanagern heute noch immer verstanden wird. Doch nicht alle Hedgefonds sind aggressiv und auch sehr spekulativ eingestellt. Denn die meisten Strategien zielen nicht darauf ab, hohe Renditen bei Inkaufnahme hohen Risikos zu erzielen, sondern verfolgen eine risikoarme Strategie und sind auf die Erzielung stetiger Renditen im einstelligen Prozentbereich aus.

Wenn diese Anlageform trotzdem im Fokus der Öffentlichkeit steht, so vor allem deshalb, weil einige Vertreter dieser Branche im Zuge der Subprime-Krise zu hohe Risiken in Kauf nahmen und riesige Verluste erlitten. Die Augen der Öffentlichkeit richten sich auch deshalb auf diese modernen Finanzinvestoren, weil sie in den umgesetzten Strategien kaum Beschränkungen kennen und einige dieser „Finanzmarkt-Könige“ von den Aufsichtsbehörden nicht kontrolliert werden. Im Fokus stehen vor allem auch jene Manager, die als Aktivisten eingestuft werden, weil sie sich in Unternehmen einkaufen und aktiv in die Geschäftspolitik des Managements eingreifen.

Die Übergewichtung von Hedgefonds in der öffentlichen Diskussion ist auch daran zu erkennen, dass das von diesen Kapitalsammelstellen verwaltete Vermögen noch nicht einmal drei Prozent jenes Kapitals ausmacht, das Investmentfonds, Stiftungen und Pensionskassen von Anlegern zur Verwaltung anvertraut ist. Selbst wenn man berücksichtigt, dass Hedgefonds das ihnen zur Verfügung stehende Kapital durch den Einsatz von Derivaten und Krediten „hebeln“ (es also vervielfachen), ändert sich nur wenig an der Aussage, dass die Bedeutung in der Öffentlichkeit überschätzt wird.

Dass das Image gelitten hat, ist auch mit der zuletzt eher bescheidenen Wertentwicklung zu begründen. Nach Jahrzehnten zweistelliger prozentualer Wertsteigerungen sind die Ergebnisse in jüngster Zeit eher „bescheiden“. Auf der Suche nach den Gründen für die schwächere Performance wird der Betrachter rasch fündig. Ein wichtiger Grund ist darin zu sehen, dass Hedge Fonds gerade in liquiden und inzwischen immer effizienteren Finanzmärkten (Aktien, Bonds, Devisen und inzwischen auch Rohstoffe) Opfer ihres eigenen Erfolges wurden. Ihre einst so erfolgreichen und innovativen Strategien werden inzwischen von immer mehr Marktteilnehmern kopiert. Auf diese Art und Weise verschwinden die in der Vergangenheit vorhandenen Renditequellen.

So mancher Anleger, der als „Jünger“ den aktivistischen Hedgefonds bei ihren Investments zum Beispiel in mittelständischen deutschen Aktiengesellschaften gefolgt ist, war zuletzt unzufrieden, weil die Kursentwicklung dieser Aktien enttäuschte. Und so reifte bei Anlegern die Einsicht, dass auch diese Manager nur mit Wasser kochen.

Zweifellos haben Hedgefonds jedoch das bis noch vor einigen Jahren eher beschaulich anmutende Leben deutscher Topmanager verändert, weil diese Anlegerkategorie zu einer treibenden Kraft in der Fitnesskur der deutschen Wirtschaft geworden ist. „Die Aktienkultur in Deutschland ist verbesserungsfähig“, sagt der New Yorker Hedgefonds-Manager Guy Wysser-Pratte. Heute übernehmen Hedgefonds zum Beispiel Aufsichtsratsaufgaben, indem sie Ineffizienzen von Unternehmen aufzeigen und diese drängen, Maßnahmen zur Steigerung des Unternehmenswertes zu ergreifen. In der Wirtschaft jedenfalls wurde erkannt, dass sich die Welt durch das Auftreten von Hedgefonds geändert hat. Nicht nur beim Deutschen Sparkassen- und Giroverband (DSGV) werden „negative Veränderungen der Unternehmenskultur durch internationale Finanzjongleure“ befürchtet. Udo Rettberg

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