Zeitung Heute : "Überzogene Ansprüche"

GUIDO DECKER

Replik auf einen Erfahrungsbericht im TagesspiegelVON GUIDO DECKERUnter der Überschrift "Für 7000 Dollar wie bestellt und nicht abgeholt" erschien vor einigen Wochen auf dieser Seite ein Text, der sich kritisch mit einem Programm der Carl Duisberg Gesellschaft (CDG) in den USA auseinandersetzte.Bemängelt wurde, daß bei den Teilnehmern falsche Vorstellungen über die Firmenpraktika in den USA geweckt worden seien, daß die Unterbringung sehr zu wünschen übrig gelassen hätte und daß insgesamt die Betreuung schlecht gewesen sei.Unser Autor, der zeitgleich mit der Autorin jenes Beitrags an dem Programm teilnahm, hat ganz andere Erfahrungen gemacht, die er hier schildert.Meine Erfahrungen sind dagegen äußerst positiv.Persönlich wie auch beruflich konnte ich durch dieses Programm wesentlich reifen.Allerdings erkennt man den wahren Wert eines derartigen Aufenthaltes erst nach der Rückkehr.Von schlechter Betreuung, wie es in dem Beitrag hieß, kann keine Rede sein.So wurden mehrere Teilnehmer von einer Betreuerin am Wochenende nach Hause eingeladen.Ich selbst wurde vom Dekan zum Skifahren mitgenommen plus anschließendem Abendessen mit seiner Familie.Ein besonderes Beispiel: Als ich mir bei einem der College-Soccer-Turniere, bei denen ich für das College Team spielen durfte, das Nasenbein brach, opferte einer der Betreuer sein Wochenende und fuhr mich ins Krankenhaus, um während der Behandlungen bei mir zu bleiben.Diese persönlichen Kontakte festigten sich sogar so stark, daß wir uns bis heute regelmäßig schreiben und ich eine Betreuerin sogar "Mom" nennen darf.Viele der Teilnehmer, die in dem Text mit ihrer Kritik zitiert werden, hatten überzogene Erwartungen.Wer zum Beispiel - wie beschrieben - wegen angeblichen Lärms und sonstiger Unannehmlichkeiten viermal die Unterkunft wechseln will, muß sich die Frage gefallen lassen, ob es nicht an ihm selber liegt.Mir war von der CDG niemals etwas vorgegaukelt worden.Das gilt auch für die Unterbringung: Beim Vorbereitungsseminar in Köln wurde ausdrücklich auf den geringeren Lebensstandard und das Zusammenwohnen mit jungen Studenten im Wohnheim hingewiesen.Genausowenig entspricht es den Tatsachen, daß die CDG Praktika bei bestimmten Unternehmen garantiert hätten.Vielmehr traten manche Teilnehmer mit unrealistischen Erwartungen auf, gepaart mit Selbstüberschätzung: Jemand, der nicht entsprechendes Englisch spricht und nicht über das nötige Fachwissen verfügt, kann nicht darauf hoffen, daß man ihm im Medien- und Finanzzentrum New York City eine Managerposition anvertraut.Die gebratenen Tauben fliegen einem nicht einfach in den Mund, auch nicht in den USA.Junge Amerikaner würden sich um einen Praktikumsplatz in Manhattan reißen - sie wüßten solch eine Chance zu nutzen.Ich denke, man muß die eigenen Ansprüche einfach herunterschrauben.Denn als Praktikant ist man zum Lernen da, erst recht als Ausländer.Auch während des Praktikums gab es Betreuung vor Ort, etwa durch Gespräche des individuellen Betreuers gemeinsam mit dem Vorgesetzten und dem Teilnehmer in der Firma oder durch generelle Meetings in der Unterkunft.Mancher der Teilnehmer glaubte jedoch, darauf verzichten zu können, oder stellte sich taub, wenn von Seiten der individuellen Betreuer das Thema "Ansprüche" angesprochen wurde.Nach meinen Erfahrungen kann ich das Work / Study-Programm der CDG ohne Zögern empfehlen.Man muß sich nur darüber im Klaren sein, daß man keine Urlaubsreise gebucht hat und daß ein Erfolg sich nur bei Eigeninitiative einstellt.

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