Zeitung Heute : Üppig

BORIS KEHRMANN

Mozart meets Moderne beim DSO Eine dem Deutschen Symphonie-Orchester zu dessen 50jährigem Bestehen gewidmete Uraufführung zwang Lothar Zagrosek nicht ganz überzeugend mit einer Mozart-Ausgrabung zu einem stilistisch disparaten Abend in der Philharmonie zusammen.In sich schlüssig verbindet Frank Michael Beyer, Leiter der Musik-Abteilung der Berliner Akademie der Künste, tektonische und akustische Struktren zu sieben impressionistisch-luxurierenden "Klangtoren" für Großes Orchester.Das gut disponierte DSO musizierte mit sichtlicher Freude am Melos, bewältigte manch virtuose Hürde aber auch mit Mühe.Zu dem geistlichen Singspiel "Die Schuldigkeit des Ersten Gebots" steuerte Mozart nur den ersten Akt bei.Was an diesem Beitrag eines Elfjährigen zum Musiktheater frappiert, ist die Sicherheit, mit der er die teils spätbarocken, teils frühklassischen musikdramatischen Formen beherrscht.Bereits hier läßt Mozart den schematischen Wechsel von Rezitativ und Arie hinter sich und schafft übergreifende musikalisch-szenische Einheiten. Mit bloßer Aneignung eines technischen Vokabulars ist das nicht mehr zu erklären. Janet Williams sprengte mit ihrem üppigen und perfekt charakterisierenden Sopran den von den kleineren Stimmen Veronica Cangemis und Susan Grittons abgesteckten Rahmen, durchbrach die biedere Harmlosigkeit der Wohlmeinenden.Vor allem ihr Widersacher, der stimmlich leider etwas verblühte "Christgeist" des Tenors Howard Crook, wurde in die Ränge verwiesen, während ihr der Tenor Christian Elsner als umworbener und schließlich erliegender "Christ" ein würdiger Partner war.BORIS KEHRMANN

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