Zeitung Heute : Um die Wette

Die Politik spielt mit: Oddset ist ein staatlicher Anbieter – und zwar der einzige

Robert Ide

Der Fußball und seine Schiedsrichter sind wegen des Verdachts auf Wettmanipulation in die Kritik geraten. Wie funktioniert eigentlich das deutsche Wettsystem im Sportbereich?

Theo Zwanziger wettet gern auf Fußballspiele. „Ich spiele am liebsten die Dreierwette“, sagt der Präsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB). Bei der Dreierwette kann man drei Spiele tippen – und nur gewinnen, wenn man alle richtig hat. „Bei dieser Wette kann man kaum manipulieren“, sagt Zwanziger. „So viele Spiele gleichzeitig kann man gar nicht beeinflussen.“

Der DFB steht im Mittelpunkt eines Wettskandals. Der Schiedsrichter Robert Hoyzer soll mehrere Spiele manipuliert haben, um sich mit Wettgewinnen zu bereichern. Der Kontrollausschuss des DFB ermittelt – und will nun mit den Wettanbietern ein Frühwarnsystem einrichten. Bei auffällig hohen Einsätzen soll es eine Berichtspflicht gegenüber dem DFB geben, wünschen sich Funktionäre. Bisher entscheiden Wettanbieter für sich, ob sie Spiele aus dem Programm nehmen oder Quoten herabsetzen, um nicht Opfer von Manipulationen zu werden. Im Dezember 2004 war der Verdacht aufgekommen, dass das Zweitligaspiel zwischen Aue und Oberhausen manipuliert gewesen war. Damals hatte es auffällig hohe Wetteinsätze gegeben – der DFB konnte aber keine Beweise für Betrug finden.

Der Markt der Sportwetten in Deutschland ist schwierig zu kontrollieren, weil er unübersichtlich ist. Dabei gibt es nur einen staatlichen Anbieter: Oddset. „Wir haben ein engmaschiges Kontrollsystem“, versichert Wolfgang Feldner, Oddset-Marketingleiter bei der Staatlichen Lotterieverwaltung München. Der Höchsteinsatz bei Oddset beträgt 500 Euro. Wenn eine Quote zu risikoreich wird, wird das Spiel aus dem Programm genommen. Das aber macht Oddset unattraktiv gegenüber privaten Anbietern.

Bei den privaten Wettanbietern kann auf einzelne Spiele gewettet werden. Die Quoten sind meist besser. Politik und Sportverbände zweifeln ihre Seriosität an. „Der Staat hat das Monopol für Glücksspiele“, sagt Zwanziger. „Das sollte er durchsetzen.“ Das ist nicht einfach, denn mehrere Wettanbieter haben zu Wendezeiten in Ostdeutschland Lizenzen als private Buchmacher erworben. Einer von ihnen, Bernd Hobiger von der Berliner Wettagentur Goldesel, fragt: „Es ist überall in Europa üblich, dass Buchmacher Sportwetten veranstalten – warum nicht auch in Deutschland?“

Andere Anbieter wie Betandwin umgehen die rechtlich schwierige Lage, indem sie Wetten an zugelassene Buchmacher in anderen Ländern vermitteln, heißt es in der Branche. Diese Anbieter werben auf Banden in deutschen Fußballstadien – die Vereine profitieren also von ihnen. Inzwischen versuchen immer mehr Kommunen, die Werbung privater Anbieter in Arenen zu verbieten. Vereine wie Schalke 04 sprechen deshalb von Willkür.

Die Politik drängt darauf, Oddset attraktiver zu machen. Der Wildwuchs der privaten Anbieter müsse beschnitten werden, fordert zum Beispiel Bayerns Ministerpräsident Edmund Stoiber. So war es durchaus im Sinne der Ministerpräsidenten, dass Odsett zum nationalen Förderer der Fußball-WM 2006 wurde und das Großereignis für Werbung in eigener Sache nutzen kann – zu einem geringeren Barpreis als andere Sponsoren. Betandwin, das sich ebenfalls um einen Sponsorenvertrag bemüht hatte und auch den vollen Barbetrag von 12,9 Millionen Euro angeboten hatte, wurde nicht berücksichtigt.

Unabhängig davon wurde ein Staatsvertrag abgeschlossen, nach dem Oddset Überschüsse aus den Wetten zu zwölf Prozent an die WM-Organisatoren überweist, um das Kunst- und Kulturprogramm zu unterstützen. Doch dann brach das Wettgeschäft bei Oddset wegen der Konkurrenz ein – die Politik musste wieder zu Hilfe eilen. Nach einem Beschluss der Ministerpräsidenten der Länder werden die Überschüsse künftig nicht mehr auf Basis des ertragreichen Oddset-Geschäftsjahrs 2003 berechnet, sondern auf Grundlage des schwachen Jahres 2001. Damit bleiben mehr Überschüsse. Auf die Frage, ob Oddset die WM verdeckt subventioniere, antwortet Erwin Horak, Chef der Lotterieverwaltung München. „Das ist eine klare Subvention – für einen guten Zweck.“

Der Streit zwischen privaten und staatlichen Wettanbietern wird nicht mehr auf dem Sportplatz ausgetragen. Für das Frühjahr hat das Bundesverfassungsgericht eine Entscheidung zum Sportwettenmonopol der Länder angekündigt.

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