Zeitung Heute : Umsteigen in Schönefeld

Die Flughäfen der Hauptstadt sind vor allem für Nordeuropäer auf Durchreise als Zwischenstopp attraktiv

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Von Rainer W. During Die Hauptstadtregion wird doch schon vor der für 2011 geplanten Fertigstellung des Flughafens Berlin Brandenburg International zum Luftverkehrs-Drehkreuz werden. Noch muss der neue Airport die Hürde der Leipziger Bundesverwaltungsrichter nehmen, die im Frühjahr über die Klagen der Standortgegner entscheiden. Doch schon heute entwickelt sich insbesondere durch die Billigflieger am künftigen BBI-Standort Schönefeld ein wachsender Umsteigeverkehr. Ein Trend, den die Flughafenbetreiber jetzt mit einem Stop-over-Programm massiv fördern. So sollen bereits in diesem Jahr per Internet rund 250 000 zusätzliche Passagiere gewonnen werden.

Zwischen vielen europäischen Städten gibt es bisher keine Nonstopverbindungen. Wer beispielsweise von Krakau nach Reykjavik oder von Dublin nach Istanbul will, muss zwangsläufig in einer europäischen Metropole umsteigen. Mit dem neuen Angebot wollen die Berliner Flughäfen Reisende animieren, das lieber hier als andernorts zu tun. Bereits heute, so ergab eine Umfrage unter Passagieren in Schönefeld, kombiniert jeder zehnte Reisende zwei Billigflüge, um über Berlin von A nach B zu jetten.

Per Internet-Flugplan lassen sich die über Berlin führenden Umsteigeverbindungen zwischen zwei Städten über Berlin für einen ausgewählten Zeitraum aufrufen. Wer beispielsweise früh um 6.45 Uhr mit Virgin Express in Brüssel startet, kann via Schönefeld mit Easyjet um 11.40 Uhr in Ljubljana sein. Zwei Stunden gelten als minimale Transferzeit zwischen Ankunft und Abflug, denn bei den Low-Cost-Carriern wird das Gepäck in der Regel nicht durchgecheckt. Weil die Billigtickets bei verpasstem Anschlussflug verfallen, kalkulieren viele Reisende mehr Zeit ein. Erstmals und zunächst exklusiv für Berlin bietet die Elvia für acht Euro eine Umsteigeversicherung. Kosten bis zu 400 Euro für das Ersatzticket und nötigenfalls eine Hotelübernachtung werden erstattet.

Ist zwischen Landung und Start noch ein Flugplatzwechsel etwa von Schönefeld nach Tegel nötig, verdoppelt sich die Bodenzeit. Ein Shuttle-Dienst kann auf der Website gebucht werden. Wer Wartezeit bequem überbrücken will, dem bieten einige Partnerhotels verbilligte Tageszimmer.

„Die Nachfrage ist da und erschließt uns interessante Einnahmen“, so Dieter Johannsen-Roth, Chef der Berliner Flughäfen. Doch nicht nur eilige Passagiere sollen zum Trip via Berlin animiert werden. Angesprochen werden auch Fluggäste, die den Zwischenstopp nutzen wollen, um die Stadt kennen zu lernen. So gibt es auf der Website Besucher-Tipps für einen Kurzaufenthalt. Christian Tänzler von der Berlin Tourismus Marketing GmbH spricht von einem „Appetizer“, der Transitreisende anregen soll, wieder zu kommen. Bald wird ein eigener Schalter in Schönefeld eröffnet.

Die Berliner Flughäfen verzeichneten im vergangenen Jahr einen Rekord von 17 Millionen Passagieren, knapp zwölf davon fielen auf Tegel. Für 2006 wird mit mehr als 18 Millionen Flugreisenden gerechnet, bis 2011 sollen es 22 Millionen werden. Der Anteil der Low-Cost-Carrier liegt bereits bei 45 Prozent. Sie ermöglichen nicht nur den Berlinern günstige Flugreisen, sondern bringen auch zusätzliche Touristen in die Stadt. Mit knapp 15 Millionen Übernachtungen gab es auch hier 2005 neue Spitzenwerte.

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