Zeitung Heute : Unbefriedigend

Der Tagesspiegel

Die Verlagsgruppe Handelsblatt schreibt rote Zahlen. Der Verlust vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen lag im Geschäftsjahr 2001 bei 6,3 Millionen Euro, sagte der Vorsitzende der Geschäftsführung, Heinz-Werner Nienstedt, am Dienstag in Düsseldorf. Zum Vergleich: Im Boomjahr 2000, dem Höhepunkt der deutschen Wirtschaftspresse, konnte ein Vorsteuergewinn von knapp 64 Millionen Euro erwirtschaftet werden.

„Das Ergebnis ist völlig unbefriedigend“, sagte Nienstedt. Es sei Folge der geplatzten Spekulationsblase am Neuen Markt und einer merklichen Abkühlung der Konjunktur. Davon sei die deutsche Wirtschaftspresse überproportional betroffen. So brach etwa die Werbung für Börsengänge um 70 Prozent ein. Zudem „wurden nach dem 11. September Anzeigen in Millionenhöhe kurzfristig storniert“, sagte Nienstedt. Das führte dazu, dass die Erlöse aus dem Anzeigenvertrieb um 21 Prozent einbrachen. Infolgedessen reduzierte sich der Umsatz der Verlagsgruppe auf 364 Millionen Euro (Vorjahr: 431 Millionen Euro). Mit einer Wende auf dem Anzeigenmarkt rechnet das (wie ) zur Holtzbrinck-Gruppe gehörende Unternehmen frühestens Ende des Jahres.

Im Wettstreit der Wirtschafts-Tageszeitungen hat das Flaggschiff der Verlagsgruppe, das „Handelsblatt“, gegenüber der „Financial Times Deutschland“ an Boden verloren. Während die lachsfarbene Zeitung aus Hamburg über die letzten Quartale kontinuierlich Käufer gewinnen konnte, verlor das „Handelsblatt“ Auflage. „Vor allem beim Einzelverkauf hat die Zeitung Federn gelassen“, sagte Nienstedt. Im Jahresdurchschnitt 2001 konnte das „Handelsblatt“ mit einer verkauften Auflage von rund 153 500 Exemplaren seine führende Marktposition allerdings behaupten. Beim Anzeigenumsatz nimmt das Blatt hinter der „FAZ“ Platz zwei ein. Nienstedt kündigte an, dass das „Handelsblatt“ mit der seit Januar amtierenden Chefredaktion weitere Impulse erhalten werde. Die Zeitung soll mehr exklusive Nachrichten bringen und meinungsfreudiger werden.

Die Gruppe hat noch weitere Problemkinder. Neben der Beteiligung am Nachrichtensender n-tv bereiten dem Verlag das Internet und die Magazine „Junge Karriere“ und „Telebörse“ Verluste. Die Geschäftsführung der Handelsblatt-Gruppe betonte jedoch, dass das Anlegermagazin „Telebörse“ zum Kerngeschäft gehöre. „Auch wenn der Markt ungünstig ist, denken wir nicht kurzfristig und halten an der ,Telebörse’ in dieser Form fest“, sagte der stellvertretende Vorsitzende der Geschäftsführung, Harald Müsse. Der Markenname „Telebörse“ sei sehr wertvoll, insbesondere mit Blick auf die gleichnamige Sendung, die auf n-tv über das Börsengeschehen informiere. Tobias Symanski

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