Zeitung Heute : Unbekannt verzogen? Aber nicht im Internet

E-Mail II: Wie man sich auf elegante Art von seiner alten Adresse trennt – Abwesenheits-Benachrichtigungen und Weiterleitungen erleichtern den Umzug der elektronischen Postbox

Kurt Sagatz

Es ist fast wie bei einem realen Umzug: Bei der Umstellung einer E-Mail-Adresse muss zwar nicht das Einwohnermeldeamt eingeschaltet werden, aber angesichts der zunehmenden Bedeutung der elektronischen Kommunikation ist es heutzutage fast ebenso ärgerlich, wenn die allseits bekannte Internet-Postbox von einem auf den anderen Tag nicht mehr zu erreichen ist. Dabei ist es gar nicht so schwer, sich auf elegante Art von einer E-Mail-Adresse zu trennen.

Der Großteil der privaten Internet-Surfer nutzt die E-Mail-Adresse seines Providers. Mein.Name@t-online.de oder Mustermann@aol.com lauten diese Anschriften zumeist. Um nicht bei einem Providerwechsel ständig eine neue E-Mail-Adresse bekannt geben zu müssen, nutzen viele Menschen zudem so genannte Freemailer wie Hotmail, GMX oder Web.de, die kostenlose E-Mail-Accounts unabhängig vom Internet-Provider anbieten. Auch das Berliner Stadtinformationsportal Berlin.de hat den Hauptstädtern bis vor kurzem solche kostenlosen elektronischen Postfächer bereitgestellt. Künftig wird dafür jedoch eine Monatsgebühr von 1 Euro 50 je Adresse erhoben. Wer der Umstellung auf den kostenpflichtigen Service nicht zustimmt, dessen Account wird nach Angaben des Betreibers nach Ablauf der Umstellungsfrist abgeschaltet.

Gerade bei den Freemailern und somit auch bei Berlin.de ist der Umzug zu einer neuen E-Mail-Adresse verhältnismäßig einfach. Die wichtigste Voraussetzung dafür ist, dass man die Umstellung möglichst frühzeitig vorbereitet. Zuerst wird dafür ein neuer E-Mail-Account benötigt, der den eigenen Ansprüchen genügt. Sobald dieser eingerichtet ist, können all jene Menschen, mit denen man ohnehin häufig per Mail kommuniziert, über die Adressänderung informiert werden. Die Adressbücher der gängigen E-Mail- Programme bieten dafür eine gute Unterstützung.

Um aber auch jene andere Gruppe von E-Mail-Kontakten, die nicht im Adressbuch steht, über den anstehenden Postbox-Wechsel zu informieren, sollte man die eingebauten Hilfen der Freemailer verwenden. Damit lassen sich so hilfreiche Dinge wie Weiterleitungen und automatische Antwortmails konfigurieren.

Bei Berlin.de erreicht man diese Dienste über die Internet-Schnittstelle auf der Webseite webmail.berlin.de. Nach der Anmeldung mit Benutzernamen und Kennwort lassen sich darüber nicht nur Mails abrufen oder verfassen, sondern auch jene hilfreichen Zusatzservices einrichten. Nach Anklicken des Optionen-Menüs erreicht man diese über die Schaltfläche „Einstellungen“. Unter „Abwesenheitsnachricht“ kann nun ein Text erstellt werden, der über die neue E-Mail-Anschrift Auskunft gibt. Je nach gewählter Option wird diese Benachrichtigung jedes Mal an den Versender einer E-Mail an das eigene Postfach geschickt oder auch nur ein einziges Mal.

Ebenfalls sehr bequem ist die Option „Weiterleiten“: Wer nicht ständig sowohl die alte als auch die neue Adresse abfragen will, kann über die Aktivierung dieses Feldes dafür sorgen, dass bereits in der Umstellungsphase alle Mails nur noch an die neue Anschrift gesendet werden. Gerade in dieser Zeit ist es jedoch ratsam, zumindest eine Kopie der Mail im alten Postfach zu belassen und diesen Mail-Account regelmäßig zu kontrollieren. So lässt sich leicht herausfinden, welcher Sender trotz Benachrichtigung weiterhin standhaft die alte anstatt der neuen Adresse benutzt.

Wichtig ist dies vor allem für Nutzer von Newslettern, da diese bekanntlich automatisch verschickt werden und somit nicht auf die selbst erstellten „Nachsendeaufträge“ reagieren können. Zwar könnte man gerade bei einem E-Mail-Account, der ohnehin bald gelöscht wird, einfach die Newsletter so lange weiterlaufen lassen, bis es so weit ist. Wer sich jedoch aus Gründen der Fairness ordnungsgemäß aus der Liste austragen möchte, muss dies häufig durch eine „Unsubscribe“-Mail vom Empfänger-Konto zum Ausdruck bringen. Über die Kopie einer weitergeleiteten E-Mail im alten Postfach ist dies in jedem Fall möglich.

Doch egal, wie erfolgreich der E-Mail-Umzug dank guter Vorbereitung verläuft, ein Vergnügen ist er sicherlich nicht. Und wer jetzt beispielsweise von Berlin.de zu einem anderen Freemailer wechselt, weil er sich über die Umstellung auf den kostenpflichtigen Nachfolgedienst ärgert, der kann nicht sicher sein, ob der Noch-Umsonst-Anbieter diesen Schritt in einem Jahr nicht ebenfalls geht. So kann es durchaus sinnvoll sein, zum eigenen E-Mail-Provider zu werden.

Webhoster wie Strato oder 1&1 bieten zusammen mit ihren Einsteiger-Angeboten für eigene Internet-Seiten immer auch eine gewisse Anzahl von Mail-Adressen. Die „Web- Visitenkarte S“ von Strato beinhaltet beispielsweise zwölf Postfächer zum Gesamtpreis von 99 Cent. Für eine Familie von vier Personen ist das allemal billiger als die Berlin.de-Accounts zu je 1 Euro 50. Mit eigener Internet-Adresse samt Postfächern entfällt die Notwendigkeit weiterer Umzüge, zumal einem niemand diese Anschriften streitig machen kann.

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