Zeitung Heute : Und die Göttin lächelt mild

ELFI KREIS

Leben für die Indologie: 100.Geburtstag von Ernst Waldschmidt Das Dahlemer Museum für Indische Kunst hat mehr als einen Grund, Ernst Waldschmidt eine Gedächtnisausstellung zu widmen, zählte er doch zu den bedeutendsten Wissenschaftlern der Nachkriegszeit auf dem Gebiet indischer Philologie und Kunstgeschichte.Zehn Jahre arbeitete er in der Indischen Abteilung, bevor ihm 1934 die Leitung des Museums für Völkerkunde übertragen wurde. Heute vor hundert Jahren wurde Ernst Waldschmidt im westfälischen Lünen geboren.Als Student kam er 1918 nach Berlin.Auch nachdem er 1936 seinen Lehrstuhl in Göttingen übernommen hatte, war er Berlin weiterhin eng verbunden.Die philologische Aufarbeitung der Sanskrit-Handschriften von drei frühen, preußischen Turfan-Expeditionen blieb seine Lebensaufgabe.Doch auch eine ganz der Forschung verschriebene Persönlichkeit wie Waldschmidt - der eigene Gedichtverse mühelos in Sanskrit verfaßte - zeigte menschliche Stärken und Schwächen."Er war ein gestrenger Lehrer, sehr preußisch, sehr pflichtbewußt.Er konnte recht ungnädig sein und neigte zu Jähzorn.Andererseits war er überaus großzügig, wenn es darum ging, uns mittellose Studenten zu unterstützen und die Teilname an wichtigen Kongressen zu ermöglichen." Lore Sander, seine frühere Schülerin, schildert bei ihrer Führung durch die von ihr konzipierte Sonderschau plastisch Waldschmidts Charakter. Milde lächelt die "Göttin mit dem Reif" zu ihren Worten.Die fast lebensgroße Stuckfigur im graeco-buddhistischen Stil ist ein Glanzstück der Schau.Sie stammt aus der Provinz Gandhara in Afghanistan, nahe der Grenze zu Pakistan.Die Forschung verdankt Waldschmidt grundlegende Erkenntnisse über die spätmittelalterliche Kunst der nördlichen Seidenstraße."Gandhara, Kutscha, Turfan" lautete der Titel von Waldschmidts an der Friedrich-Wilhelm-, heute Humboldt-Universität vorgelegter Habilitationsschrift.Der Indologe erkannte die Statue als Meisterstück und sah in ihr die Kinderschützerin Hariti.Zu seinen Lebzeiten war sie unversehrt.In Dahlem kann sie nun erstmals nach dem Krieg und nach ihrer Restaurierung wieder gezeigt werden.Mit anderen Beutestücken war sie in die Sowjetunion gelangt, später dem Grassimuseum Leipzig übergeben worden.Von dort gelangte die Göttin erst 1992 zurück nach Berlin. Als Waldschmidt 87jährig 1985 in Göttingen starb, umfaßte sein Werkverzeichnis nicht weniger als 137 Titel.Das Museum verdankt ihm eine umfangreiche Sammlung von Kunst und Kunstgewerbe.Darunter viele Textilarbeiten von Waldschmidts Expeditionen nach Sri Lanka und Indien sowie besonders kostbare, von Musik inspirierte Miniaturmalereien.Auch privat folgte Waldschmidt der indischen Tradition, sich im Alter von materiellem Besitz zu trennen.Waldschmidts einziger Sohn war im Krieg gefallen.Sein Haus mit seiner Bibliothek in Göttingen vermachte er der Universität.Was Stiftungen ihm einst für seine Studien ermöglicht hatten, vergaß er nie.So richtete er 1969 die nach ihm benannte Stiftung innerhalb der Stiftung Preußischer Kulturbesitz ein.Mit ihr wird eine Publikationsreihe und der Ernst-Waldschmidt-Preis für junge Wissenschaftler finanziert.Zu seinen schönsten Geschenken an das Museum in Dahlem aber gehört dessen Existenz.Waldschmidt setzte sich engagiert für die Gründung eines eigenständigen Museums für Indische Kunst ein, die 1963 folgte. ELFI KREISMuseum für Indische Kunst, Lansstr.8, bis 15.August; Dienstag bis Freitag 9-17 Uhr, Sonnabend und Sonntag 10-17 Uhr.

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