Zeitung Heute : …UND DIE MUSIK DAZU

-

Wahrscheinlich wird nirgends so viel gesungen wie unter der Dusche und am Herd wo sonst ist selbst der Deutsche so enthemmt. Kochen ist ja ohnehin wie Musizieren: die reine Improvisation. Eine Prise Salz, eine Hand voll Speck, mit Schwung ins zischende Öl geworfen, der Koch dirigiert mit dem Löffel in der Hand, lässt es laut und leise, süß und sauer werden, und singt dabei laut vor sich hin, Opernarien, Beatlessongs… Natürlich braucht der Koch ein Orchester zur Begleitung, zum Ansporn, zur Unterhaltung auch. Während er geduldig den Radicchio klein schneidet, hält ihn Ray Charles bei Laune, wenn das Nudelwasser brodelt, säuselt Ella Fitzgerald dem Koch besänftigend ins Ohr, und während er Pasta und Sauce verrührt, feuert John Handy ihn an mit dem Song „Hard Work“: Sie alle sind auf der CD „Musik zum Kochen“ zu hören.

Es gibt ja Spitzenköche, in deren Küche wird nur gebrüllt, und andere, bei denen muss es mucksmäuschenstill zugehen, das erfordert die Konzentration. Wer aber keine Sterne erobern muss, wer nur zum eigenen Vergnügen und dem seiner Gäste kocht, der darf es ruhig ein bisschen lässiger angehen. So wie Rainer Sass. Der NDR-Fernsehkoch ist ja im Grunde Amateur, so wie wir: Im Hauptberuf verkauft er Versicherungen. Beim Kochen setzte er anfangs ganz auf den Ton, seine Medienkarriere begann er als Koch im Hörfunkprogramm, inzwischen gucken ihm eine Million Zuschauer zu, wenn er samstagabends im NDR kocht. Jetzt also hat er eine CD herausgegeben, mit 20 Songs, viel Jazz und Blues, und 20 Rezepten dazu, für Birnen-Tarte zum Beispiel oder Petersilien-Kartoffel-Püree („Musik zum Kochen“, artfound, 21,50 Euro, www.kochenhilft.de). kip

Tagesspiegel - Debatten


Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben