Zeitung Heute : Und einer fehlt

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Die Vorzeichen für die EU-Finanzminister waren am Sonntagabend in Brüssel so schon schwierig genug. Nicht nur, dass vor der Öffnung der Märkte am Montagmorgen unbedingt ein Beschluss her musste, der den gegen den Euro spekulierenden Börsianern den Wind aus den Segeln nehmen würde. Nicht nur, dass zur Schaffung eines Krisenfonds die Minister nicht nur der Euro-Zone, sondern aller 27 EU-Staaten zustimmen mussten und der Brite Alistair Darling schon vorab seine Skepsis öffentlich machte. Nein, am Ende fehlte in der Runde sogar der vielleicht wichtigste Krisenmanager: Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble.

Der 67-Jährige war bereits am Vip-Eingang des Justus-Lipsius- Baus, in dem die Ratssitzungen stattfinden, vorgefahren, musste dann aber noch vor Ort seine Teilnahme absagen. Der querschnittsgelähmte Schäuble hat seit einer Operation Anfang des Jahres, in deren Folge eine Wunde nicht gut verheilte, gesundheitliche Probleme. Die Bundesregierung ließ am Sonntagabend mitteilen, es bestehe „der Verdacht, dass er auf ein Medikament, welches er gestern zum ersten Mal eingenommen hat, unverträglich reagierte“. Der Finanzminister wurde sofort in ein Brüsseler Krankenhaus zur Beobachtung gebracht. Aus Regierungskreisen hieß es jedoch, dass Schäuble wohlauf und der Aufenthalt im Krankenhaus eine reine Vorsichtsmaßnahme sei.

In der Zwischenzeit führte Schäubles Staatssekretär Jörg Asmussen die Gespräche im Rat. Gegen 20 Uhr traf schließlich Thomas de Maizière als deutscher „Ersatzminister“ in Brüssel ein. Zu diesem Zeitpunkt hatten sich die Ministerkollegen ohnehin gerade vertagt, um die schwierigen Detailfragen von den Experten auf Arbeitsebene klären zu lassen. Der Bundesinnenminister war fortan der Kopf der Delegation aus Deutschland – dem größten Mitgliedsland und damit größten Geldgeber – bei diesem Treffen, das bis in die Nacht andauerte. Ergebnisse waren zum Redaktionsschluss dieser Zeitung noch nicht bekannt.

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