Universität der Künste : „Bitte schnell ein Plakat!“

Julia Hartmann und Beate Roesner organisieren Konzerte und Proben für UdK-Studierende.

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Fasanenstraße 1B, Berlin-Charlottenburg: Schon von draußen sind Gesangsübungen zu hören; befindet man sich erst im Inneren des altehrwürdigen UdK-Gebäudes, singt und summt, klimpert und musiziert es von überall. Zwei Stockwerke nach oben über die marmornen Treppen, an Zimmer 207 angeklopft, aus dem gerade eine junge Studentin mit einem Cello auf dem Rücken kommt – und schon ist man mitten im Geschehen: im Künstlerischen Betriebsbüro, kurz KBB.

Drinnen sitzen Beate Roesner und Julia Hartmann. Die beiden betreuen UdK-Musikveranstaltungen, kümmern sich um etwa 300 Orchesterstudenten und koordinieren Probe- und Konzertphasen. Ein richtiger Arbeitsalltag will einfach nicht einkehren: „Oft kommt irgendjemand rein mit der Bitte ‚Organisiert mir mal ein Konzert' oder ‚Ich brauch mal schnell noch Plakate und ein Programmheft'. Das machen wir dann nebenbei“, erklärt Julia Hartmann. Eben das sei aber auch das Tolle an dem Beruf: dass er so vielseitig ist, da sind sich die beiden einig. „Wir haben mit den unterschiedlichsten Menschen zu tun: Studierende, Professoren, Stipendiaten aus aller Welt, arbeiten mal hier im Haus, mal außerhalb, und die Projekte sind so vielseitig“, schwärmt Julia Hartmann.

Ihre Kollegin Beate Roesner, studierte Flötistin und Kulturmanagerin, organisiert zum Beispiel die Konzerte, mit denen die UdK in der Stadt präsent ist: darunter das jährliche Musikfestival crescendo, die monatlich stattfindende Kammermusik-Konzertreihe Corporate Concerts, das UdK-Konzert zur Fête de la Musique im Juni und das Konzert für die Nationen im November. Darüber hinaus finden laufend Vortragsabende statt, zu denen die Öffentlichkeit kostenlos Zutritt hat. Julia Hartmann, die Musikwissenschaft und Publizistik studiert hat, betreut die Wettbewerbe und Stipendien und erledigt Presse- und Öffentlichkeitsarbeit. Das Künstlerische Betriebsbüro arbeitet den Dozenten zu, der Pressestelle, dem für das Hochschulorchester verantwortlichen Institutsrat sowie den künstlerischen Leitern der jeweiligen Projekte.

Im Fall der Musikfestwochen crescendo ist das Professor Konradin Groth. „Die Zusammenarbeit mit dem KBB funktioniert immer unheimlich gut, das Büro ist fast wie eine kleine Musikagentur“, urteilt er. crescendo, das sich dieses Jahr zum zehnten Mal jährte, ist eines der Veranstaltungs-Highlights der UdK.

Aber auch im normalen Büroalltag wird es nie eintönig: Ständig klingelt das Telefon, gerade klopft jemand an die Tür. Der 20-jährige Chia-Lun aus Taiwan möchte sich schnell für ein Orchesterkonzert eintragen. Sei es ein Formular, die Suche nach einem Nebenjob oder die Frage, wie man an ein Stipendium kommen könnte, es gibt immer einen Grund, im KBB vorbeizuschauen. Zu vielen Studenten hat sich ein persönlicher Draht entwickelt, nur: „Leider haben wir für einen privaten Plausch zu wenig Zeit“, bedauert Beate Roesner. Sie organisiert auch die Austauschprojekte der UdK und war dafür schon mit in Japan und in Moskau.

Vor Ort ist sie Ansprechpartnerin für die Studierenden und muss auch mal trösten und beruhigen: „Da sind manche Studenten dann doch noch wie Kinder.“

Zeit zum Durchatmen bleibt Julia Hartmann und Beate Roesner höchstens in den Semesterferien, denn die beiden lassen es sich nicht nehmen, auch nach einem vollen Arbeitstag abends bei den Konzerten anwesend zu sein. „Wenn ich miterlebe, wie die Studierenden auf ihr Vorspiel hinfiebern, empfinde ich es als selbstverständlich, dabei zu sein“, meint Julia Hartmann.

Für sie und Beate Roesner sind das die schönsten Momente: wenn sie bei Wettbewerben die glücklichen Preisträger auf der Bühne sehen, die – aus aller Welt gekommen – oft vorher schüchtern bei den beiden im Büro gestanden haben.

Am 14. Juli um 19 Uhr findet im Joseph-Joachim-Konzertsaal in der Bundesallee das diesjährige Rundgang-Konzert statt.

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