Zeitung Heute : Unix - das offene System

MAURICE SHAHD

Unix (Uniplexed Information and Computing System) ist ein Betriebssystem für alle Rechnerklassen - vom Großrechner über Workstations bis zum PC.Hauptaufgabe des Betriebssystems ist es, den Datenfluß zwischen der Software, der Hardware sowie den einzelnen Hardwarekomponenten zu steuern und zu überwachen.Bekannte Betriebssysteme sind DOS und Windows 95/98 von Microsoft, MacOS von Apple oder OS/2 von IBM.Unix wurde Ende der sechziger Jahre in den Bell Laboratories entwickelt, die auch den ersten Transistor und die Programmiersprache C erfanden.Das Unix-System zeichnet sich unter anderem durch Fähigkeiten wie Multitasking und Multiuser-Betrieb aus.Multitasking dient der Erhöhung der Leistungsfähigkeit eines Computers durch die gleichzeitige Abarbeitung verschiedener Tasks (Aufgaben) eines oder mehrerer Programme.Die Fähigkeit zum Multitasking ermöglicht auch den Multiuser-Betrieb, bei dem mehrere Anwender gleichzeitig auf das Rechnersystem zugreifen können.Beide Komponenten beinhalten zudem einen großen Kostenvorteil, da zahlreiche Arbeitsplätze eingerichtet werden können, ohne entsprechend viele Software-Lizenzen erwerben zu müssen.



Welche Vorteile bietet Unix noch? "Unix ist ein offenes System, das von keinem Monopolisten angeboten wird.Es stützt sich auf internationale Standards, die jedem Programmierer zugänglich sind", erläutert Ralf Abel, Unix-Experte am Rechenzentrum der Technischen Universität Berlin."Es gibt eine große internationale Entwicklergemeinschaft, die leistungsfähige Programme kostenfrei zur Verfügung stellt." Um die Verbreitung des Betriebssystems zu beschleunigen, hatte AT&T etwa Mitte der siebziger Jahre damit begonnen, Lizenzen an Universitäten zu vergeben.Zwar wurde keine Unterstützung in Form einer Hotline oder Schulung für das Betriebssystem geleistet, dafür aber der gesamte Quellcode mitgeliefert.Im Gegenzug mußten an den Universitäten vorgenommene Verbesserungen an die Bell Laboratories zurückfließen.Neben der zunehmenden Verbreitung in der Wissenschaft setzte sich das Betriebssystem auch im kommerziellen Bereich durch.Unternehmen wie Microsoft mit Xenix oder Siemens mit Sinix entwickelten eigene Versionen der Software.Ein weiterer Vorteil von Unix ist die standardmäßige Verfügbarkeit sämtlicher Netzdienste wie E-Mail, Word Wide Web (WWW) oder File Transfer Protocol (FTP).Daher laufen viele Web-Server unter Unix.



Das Betriebssystem Unix besteht aus drei Komponenten: Der sogenannte Kernel erledigt die grundlegenden Aufgaben des Betriebssystems.Das hierarchische Dateisystem dient der Ablage und Verwaltung von Dateien.Die Shell ist die Benutzeroberfläche des Betriebssystems, die der Eingabeoberfläche unter DOS ähnelt.Inzwischen gibt es aber auch eine Reihe von grafischen Oberflächen, die sich individuell konfigurieren lassen.



Die Zukunft von Unix hängt davon ab, ob es sich gegen das Konkurrenzprodukt von Microsoft, Windows NT, behaupten kann.Eine der neueren Unix-Varianten ist das frei verfügbare Betriebssystem Linux, das auch auf PCs läuft.Linux wurde 1991 von dem finnischen Studenten Linus Thorvald im Rahmen eines Übungsprojektes programmiert.Seitdem wurde Linux ständig weiterentwickelt und braucht inzwischen den Vergleich zu kommerziellen Betriebssystemen nicht mehr zu scheuen.Besonders beliebt ist Linux, weil es unentgeltlich oder preisgünstig in sogenannten Distributionen (Zusammenstellung der wichtigsten Programme) erhältlich ist und die Hardwareanforderungen vergleichsweise moderat sind.Linux läuft bereits auf den inzwischen reichlich veralteten 80386er Prozessoren von Intel."Linux bietet eine leistungsstarke und kostengünstige Alternative.Durch die Entwicklung benutzerfreundlicherer Oberflächen wird sich die Akzeptanz von Linux in allen Bereichen weiter verbessern", so Unix-Experte Abels.

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