Zeitung Heute : Unschlagbar beim Preisvergleich

Der erste Anruf bei Autohändler Rudeloff in Stade nahe Hamburg kam von einem Kunden aus Nordrhein-Westfalen.Der hatte bei einer Gebrauchtwagenbörse im Internet gesucht und unter den Angeboten sein Wunschmodell bei der Firma entdeckt."Der ist dann gekommen und hat den Wagen gekauft, weil er ihn sonst nirgendwo gefunden hat", sagt Olaf Wollmer von Rudeloff Automobile.Der Händler bietet seine gebrauchten Autos seit knapp einem Jahr zusammen mit anderen Händlern auf einer Autobörse im Internet an.In Deutschland gibt es inzwischen rund ein Dutzend dieser Börsen, die Käufer und Verkäufer von Gebrauchtwagen zusammenbringen wollen.

In den USA informiert sich beim Autokauf inzwischen jeder zehnte Interessent über das Internet, sagt Klaus Nadler, Geschäftsführer der Unternehmensberatung Boston Consulting in Stuttgart.Die Autohändler böten auf ihren Datenbanken bis zu einer Million Wagen an.Weite Strecken würde der Kunde allerdings nur für ausgefallene Wünsche zurücklegen."Die Fahrzeit zum Standort des gewünschten Autos sollte normalerweise nicht länger als eine dreiviertel Stunde dauern", sagt Nadler.

In Deutschland bieten Zeitschriften, Fachzeitungen und Börsen rund 200 000 Autos im Internet an.Die Dekra-Autobörse "FairCar" hält für Kunden immerhin 20 000 Wagen bereit.Das Angebot diene den Käufern vor allem als Informationsquelle, sagt Lothar Nicolas, Sprecher des Fahrzeugprüfers Dekra, der Autohäuser gegen Gebühr im Internet präsentiert.Die Vorteile liegen vor allem auf der Kundenseite, erläutert Nicolas.Mit dem großen Gebrauchtwagen-Angebot könnten die Kunden vor allem Preise viel besser vergleichen.

Die Verkaufserwartungen der Autohändler sind dagegen eher gedämpft."Die Leute wollen nach wie vor die Autos sehen und fahren, bevor sie sich für einen Kauf entscheiden", sagt Nicolas.

Der TÜV Süddeutschland und das Deutsche Kraftfahrzeuggewerbe bieten einen Online-Gebrauchtwagenmarkt an, mit dem man sich von der gewünschten Fahrzeugmarke bis zum Kilometerstand seinen Gebrauchtwagen in der Datenbank Autocity suchen lassen kann.Alle für den Kauf relevanten Daten werden auf einen Blick angezeigt.

Allerdings lösen die Autobörsen nach einem Test der Fachzeitschrift "kfz-betrieb" vom vergangenen Dezember noch nicht alle Versprechen ein.So würden auf manchen "Schnäppchen-Märkten" unseriöse Angebote gemacht.Die KfZ-Daten entsprächen nicht immer der Wahrheit, bemängelten die Redakteure.Manche Autohändler hätten sich auch selbst noch nicht auf die Börse eingestellt und beantworteten Anfragen per E-Mail nicht.

Der Kauf von Autos wird dagegen noch nicht über das Internet abgewickelt."Vor allem für den Kauf von Neuwagen ist das Internet einfach noch nicht seriös genug", bestätigte Emanuela Wilms, Sprecherin für elektronische Medien bei VW.Es fehle noch die Rechtssicherheit für Käufe über das Internet, solange etwa die elektronische Unterschrift noch nicht juristisch abgesichert sei.

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